Auf de schwäbsche Eisebahne, nach 1850

Auf de schwäbsche Eisenbahne
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Quelle
Volkslied
Herkunft Region

Zeitl. Einordnung

1800 – 1900
Aspekte
Personen

Infos/Beschreibung

Wann und wo das Lied genau entstanden ist, dazu gibt es unterschiedliche Hinweise, vermutlich nach 1850 in Schwaben. Zu dem Lied gibt eine große Anzahl von Textvarianten.

Im Mittelpunkt der meisten Fassungen steht ein schwäbischer Bauer, der einen Ziegenbock gekauft hat. Da er mit der schwäbischen Eisenbahn fahren will, steht er vor der Frage, was er mit dem Bock machen soll. Kurzerhand bindet er ihn hinten an den letzten Wagen an. Sein Motiv bleibt unklar, je nach Textfassung kann es unterschiedlich interpretiert werden: Entweder er macht es, damit sich das Tier nicht verläuft oder gar entläuft (gut gemeint), oder damit er den Fahrpreis für das Tier sparen kann (geiziger Schwabe).

Auf de schwäbsche Liedkarte Bild 2
Auf de schwäbsche Eisebahne, Liedkarte Serie Nr. 245 in 4 Bildern / Bild 2, Karte ungelaufen

Diese abstrus-kuriose Geschichte hat es zu außerordentlicher Popularität gebracht, was sich auch an zahlreichen Karikaturen und Liederpostkarten ablesen lässt. Man kennt das Regionallied, das auch schon mal als inoffizielle Schwaben-Hymne bezeichnet wird, von Flensburg bis zum Bodensee.

Weniger bekannt ist hingegen, dass es wegen des Liedes zu Beginn der 1980er-Jahre zu einem heftigen Streit gekommen ist, in dem der Stuttgarter Klett Verlag im Mittelpunkt stand. Es ging um die abgedruckte Fassung im Schulliederbuch Schalmei. Der Vorwurf: Die Aufzählung der Bahnstationen sei nicht korrekt. Bürgermeister, Sprachwissenschaftler, Pädagogen und Musikwissenschaftler mischten sich ein. Der Spiegel, der darüber am 25.5.1981 berichtete, machte sich am Ende über die mit Leserbriefen und Protestschreiben ausgetragene Kontroverse lustig:

Ausgestanden ist die Sache damit aber noch nicht. Völlig ungeklärt ist noch, ob an den deutschen Schulen als Refrain künftig rulla, rulla, rullala oder doch lieber trulla, trulla, trullala gesungen werden soll.

Heute mögen eifrige Musikethnologen darüber streiten, ob es sich um Bauernbashing, Schwaben-Diskriminierung oder einen Verstoß gegen Tierschutzrechte handelt. Deshalb vorsorglich die Moral von der Geschicht´: Binde keine Tiere an den letzten Wagen nicht. LIEBE KINDER, BITTE NICHT NACHMACHEN! Haustiere gehören nicht hinten an den Zug angebunden.

Die gute Nachricht zuerst: Kinder können sehr wohl zwischen Fiktion und Realität unterscheiden. Und die schlechte Nachricht: Diese Fähigkeit ist manchen Erwachsenen leider abhandengekommen.

Übrigens…
… fällt mir bei Eisenbahn noch ein anderes Beispiel ein, das Lied von der Bimmelbahn. Darf man das mit Kindern noch singen? Ein unverblümter Aufruf zu Gewalt und Tierquälerei: „Ich fahr nach Thiersee, da gibts gar viele Flöh, ich fang mir einen mit tausend Beinen. Der wird dann aufgehängt, in den Salat gemengt, das schmeckt dann gerade wie Schokolade!“

PDF
Der Spiegel zur Kontroverse 1981.