Zeitl. Einordnung

Achtung! Achtung! Jetzt geht es los!
Heute wird es ganz groß!
Heut küßt mich ganz sicherlich irgendeine!
Irgendeine find´ ich ganz sicherlich,
die mich dann nimmt mit.
Ich sag´ zu ihr: Darling bleib´ hier,
heute tanze ich nur mit dir!
Komm tanz mit mir Swing-time!
Mein Darling, beim Swing-time,
da sagst du zu mir:
„Ik lieben dir!“
Und nach diesem Swing-time,
da geh´n wir beschwingt heim,
dann küssen ik dir und jou kiss mir!
Und wenn du willst hol´ ich
den Mond vom Himmel dir runter,
und wenn du müde bist,
dann mache ich dich wieder munter!
Komm tanz mit mir Swing-time!
Mein Darling, beim Swing-time,
da sagst du zu mir:
„Ik lieben dir!“
In der Revueoperette Ich bin ja so verliebt! drehte sich alles um Swing und ums Tanzen. Die Premiere fand im August 1937 im Admiralspalast in Berlin statt. Star des Abends war der Schauspieler und Sänger Robert Dorsay mit dem Lied Komm tanz´ mit mir Swing-time! Es war sein ganz persönliches Lied, denn er hatte sich den Text auf den Leib geschrieben. Swing – das war für den Tänzer und Entertainer Dorsay immer wieder Thema (siehe auch seine Nummer Ich tanz‘ mit Fräulein Dolly Swing).
Als Co-Texter wird in der Notenausgabe W. M. Espe angegeben. Dahinter verbirgt sich der Komponist Victor Corzilius, der unter seinem bürgerlichen Namen Walter Maria Espe auch als Texter in Erscheinung trat.
Dorsay und Espe propagieren das Swing-Tanzen als gute Gelegenheit zum Anbandeln. Dabei spielen sie mit flotten Reimen, Berliner Slang und englischen Brocken: Und nach diesem Swing-time, da geh´n wir beschwingt heim, dann küssen ik dir und jou kiss mir!

Wie war es möglich, dass 1937 im Admiralspalast in einer Revueoperette unverblümt zum Swingtanzen aufgerufen wurde? Zwar hatte man ein Jahr zuvor bei den Olympischen Spielen in der Hauptstadt noch Weltoffenheit vorgegaukelt, aber 1937 herrschte im Reich schon wieder ein ganz anderer Ton. Im Juli 1937 wurde in München die große Ausstellung „Entartete Kunst“ eröffnet, organisiert von Adolf Ziegler. Ein weiteres Jahr später folgte die Ausstellung „Entartete Musik“ in Düsseldorf, organisiert von Hans Severus Ziegler [1]. Die Zieglers waren zwar nicht verwandt, gehörten aber beide zu den eifrigsten Jägern, wenn es galt, nicht artgerechtes Kulturgut aufzuspüren. Auf den Jazz und die „Negermusik“ hatte es Hans Severus Ziegler besonders abgesehen.

Der Swing gehörte ohne Zweifel auch als Stilrichtung zum Jazz. Die bereits Mitte der 1920er-Jahre aus Amerika kommende Bigband-Musik fand in den europäischen Metropolen schnell viele Liebhaber. Die großen Tanzorchester spielten Swing-Titel nach und passten sie ihren Möglichkeiten entsprechend an. So verstand man unter Swing auch eine bestimmte Spielweise, die sich bei allen Tanzkapellen mehr oder weniger ausgeprägt durchgesetzt hat. Obwohl die Nazis das Swing-Tanzen als amerikanische Unart und undeutsch verurteilten, konnten sie nicht verhindern, dass zu swingender Musik lebhaft getanzt wurde. Die Emailleschilder „Swing tanzen verboten“, die immer wieder in Dokumentationen über die Nazi-Zeit und die Swing-Jugend auftauchen, hat es damals nicht gegeben. Sie wurden in den 1970er-Jahren von Grafikern als Schallplatten-Cover mit Swingmusik „erfunden“.
HB
– Billy Bartholomew mit seinem Tanzorchester, Gesang R. Dorsay (vom Berliner Admiralspalast): Komm tanz´ mit mir Swing-time!
– Robert Dorsay mit dem Odeon-Tanzorchester: Ich tanz‘ mit Fräulein Dolly Swing
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Noten
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[1] Der Lehrer Hans Severus Ziegler hatte seine Mission für die Nazis bereits in den 20er-Jahren begonnen. Nur einmal geriet seine Karriere kurzfristig ins Wanken, als er 1934 im Zuge des Vorgehens gegen den SA-Führer Röhm der Homosexualität bezichtigt wurde. Ziegler 1938