Wer das Scheiden hat erfunden – Wolgalied, o.J.

Wer das Scheiden hat erfunden hat an Liebe nicht gedacht
Musik von
Text von
bearbeitet von
Quelle
eigene Notentitel-Sammlung
Herkunft Region

Zeitl. Einordnung

1800 – 1900
Personen

Infos/Beschreibung

Wer das Scheiden hat erfunden. Lied aus dem Volksmunde nach dem russischen Wolga-Lied von Otto Cassau.
Reinhold Prinz Musik-Verlag, Berlin-N.39

Ökonomische Platzausnutzung: Zwei Lieder auf einer Notenseite (Seite 3). Der Text des einen Liedes ist über dem Notensystem mit der Melodie abgedruckt, darunter steht der Text des 2. Liedes.

Wolgalied Wer das Scheiden Ausschnitt
Notation mit einer Melodie und den Texten von zwei Liedern: oben „Wer das Scheiden“ und unten „Wolgalied“.

Die Texte beider Lieder sind bei dieser Ausgabe auf der 2. Seite gesondert nebeneinander abgedruckt. Bei der Melodie handelt es sich um ein altes russisches Volkslied, das auch als Wolgalied bekannt ist. Dieses Volkslied hat nichts mit dem Operettenschlager aus Der Zarewitsch von Lehár zu tun, der auch als Wolgalied bezeichnet wird.

Im Mittelpunkt des russischen Wolgaliedes steht der Donkosake Stenka Rasin, der im 17. Jahrhundert lebte und in die Geschichte u. a. deshalb eingegangen ist, weil er einen Aufstand gegen das Zarenreich angeführt hat. Doch in diesem Lied geht es um eine andere Tat. Von einem Feldzug hatte er als Beute eine persische Prinzessin mitgebracht. Weil er sich zu sehr um die Frau kümmert, werfen ihm seine Gefolgsleute Verweichlichung vor. Um seinen Männern zu beweisen, was für ein harter Bursche er ist, opfert er sie kurzerhand der Wolga und wirft sie über Bord. Das klingt dann in der vorliegenden Textfassung so:

Doch, daß keinen Streit es gäbe
Unter Männern frei und kühn,
Nimm die herrlichste der Frauen
Mutter Wolga, nimm sie hin.

Dann mit kräft´gem Schwunge hebt er
Die Geliebte über Bord.
Wirft sie in die wilden Fluten
Und die Welle trägt sie fort.

Stenka Rasins Schar feiert die Tat ihres Anführers, wie es in der letzten Strophe berichtet wird. Und auch im Volkslied wurde diese Tat danach oft und gerne besungen und glorifiziert.

Der deutsche Text Wer das Scheiden hat erfunden hat zur Geschichte von Stenka Rasin überhaupt keinen Bezug. Hier geht es um eine enttäuschte Liebe, eine Frau beklagt die Untreue des Mannes:

Lebe wohl, du falscher Jüngling,
lebe wohl, du falsches Herz,
Denn Du warst mein Ein´ und Alles.
Nun bereitest Du mir Schmerz.

Zu der russischen Volksliedmelodie gibt es zahlreiche weitere, ganz unterschiedliche Texte. Die klar gegliederte achttaktige Melodie ist überschaubar und lädt zum Reimen von Vierzeilern ein, mit denen man sogar lange Geschichten verpacken kann, zum Beispiel als Moritat oder Bänkellied.

Eine besonders grausame Geschichte aus der Mitte des 19. Jahrhunderts fängt so an:

Sollte ein’m das Herz nicht bluten,
Wenn man höret die Geschicht’
Wie in Hamburg eine Mutter
Ihrem Kind das Urteil spricht.

Einst hatt’ sie ein Kind geboren,
Das jetzt sieben Jahr’ alt war,
Als den Mann sie hat verloren
Und nun eine Witwe war.

Jetzt wollt’ sie ein andrer haben,
Doch er sprach: „Wenn ’s Kind nicht wär’!“
Und sie ließ dem Manne sagen:
„Dieses Kind lebt bald nicht mehr!“

Dass die Geschichte nach mehr als zwölf Strophen böse endet, muss nicht besonderes betont werden.

Unrasiert und fern der Heimat
Unrasiert und fern der Heimat, aus: Der Kilometerstein, Feldpostausgabe 1943, S. 53

Eine bekannte Moritat ist die Geschichte vom Butterräuber von Halberstadt.

Aber auch dezidiert politische Inhalte wurden zu dieser Melodie gesungen. Und es gab zahlreiche Parodien, von denen Unrasiert und fern der Heimat sogar zu einer festen Redewendung geworden ist.

Video/HB
– Die Ballade von Stenka Rasin, gesungen vom Russian Red Army Choir, ist unterlegt mit Ausschnitten aus dem russischen Stummfilm von Alexander Drankow aus dem Jahre 1908.
– Wer das Scheiden hat erfunden, mit dem Quartett Die Vier Richters Gesangs-Gitarristen (1930er-Jahre)

PDF
– Textblatt mit beiden Liedern (S. 2)
– Noten (S. 3)