Die hier abgebildeten Anzeigen dienen rein wissenschaftlichen Zwecken zur Dokumentation des Themas „Musik in der Printwerbung“.

Einige werden sich fragen: Was hat diese Anzeige mit Musik zu tun? Wer den Werbeschlager von Verpoorten nicht mehr kennt, kann das nicht ohne weiteres verstehen. Wer allerdings den Wurm noch im Ohr hat, dem geht bei der Präsentation des Flaschenetiketts ein Licht auf. Über der Banderole steht nur Ei. Ei. Ei. Und schon ist die Melodie des Schlagers Ay, ay, ay Maria, Maria aus Bahia mit dem Verpoorten-Jingle wieder präsent.
Im Jahr der Gründung der Bundesrepublik Deutschland kam die deutsche Fassung des Maria-aus Bahia-Schlagers mit Danielle Mac & René Carol heraus. Der Titel stand am Anfang der Samba-Welle der 50er-Jahre. Die Musik könnte man als eine europäisch geglätteten Variante der ursprünglichen afrobrasilianischen Tanzmusik bezeichnen. Als Jukebox-Schlager und Tanzmusiknummer war das Original bereits in den 50er-Jahren in aller Ohren, bevor es als Vorlage diente für eine der erfolgreichsten Nummern der bundesrepublikanischen Sound-Werbung, dem Schlager Ei, Ei, Ei Verpoorten.
Dem Original wurde lediglich ein neuer Text verpasst und der Kampfruf „Ei__, Ei__, Ei, Ei, Ei, Ei“ vorangestellt. Mal wurde das Ei großgeschrieben, mal klein wie ay, ay, ay. Mal wurde zwischen das Ei ein Punkt gesetzt, mal ein Komma oder Bindestrich. So wurde aus dem Verpoorten-Eierlikör der neue Produktname Ei-Ei-Ei Verpoorten. Damit konnte die Popularität des Schlagers auch auf die Printwerbung übertragen werden, ein Schlager eingedampft auf Jingle-Länge und übers Auge wahrnehmbar. Sobald das Ei-ei-ei-Verpoorten in einer Anzeige auftauchte, wollte man reflexartig die Melodie singen.
Ei, Ei, Ei Verpoorten, ich sag’s mit meinen Worten,
ist der Schlager Nr. 1, man liebt ihn allerorten.
Auf der Zunge wie Musik schenkt er uns Genießerglück,
manchen schönen Augenblick.
Der Eierlikör-Werbeschlager wurde ab 1961 in der Rundfunk-, Kino- und Fernsehwerbung eingesetzt. Es ist wohl einmalig in der Geschichte der Werbung, dass sich ein Werbeschlager über 50 Jahre unverändert gehalten hat.
Diese Anzeige enthält aber noch eine andere Anspielung, die indirekt auch etwas mit Musik zu tun hat. Die Überschrift Ein Engel kommt selten allein und der Name des Longdrinks Der blonde Engel spielt an auf den Filmtitel Der blaue Engel. Aus diesem frühen deutschen Tonfilm stammen eine Reihe bekannter Schlager, u. a. der Titel Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt, der auch in Printanzeigen aufgegriffen wurde.
Übrigens…
… gab es Ende der 50er-Jahre einen anderen Werbeschlager, der auch die lateinamerikanische Tanzmusik-Welle ausnutzte. Der Nescafé-Calypso von Max Woiski und seiner Band erschien sogar als Einzeltitel auf einer Single.
und noch was …
… zehn Jahre nach dieser Ei, Ei, Ei Verpoorten-Anzeige, tauchte im Weser-Kurier (7.4.2012) wieder das Ei, Ei, Ei … auf, was mich sofort an Verpoorten erinnerte. In dieser Anzeige zur Osterzeit ging es aber ums Ei, Ei, Ei… Einparken in einem Bremer Parkhaus.
HB
– Verpoorten-Werbeschlager Ei, Ei, Ei Verpoorten
– Deutschsprachiges Original Ay ay, ay Maria, Maria aus Bahia mit Danielle Mac & René Carol
– Nescafé-Calypso mit Max Woiski und seiner Band