Dieses Marschalbum von Theodor Ritter im Querformat ist kein typisches Liederbuch. Da aber alle Märsche mit Texten unterlegt sind, ist es hier unter Liederbücher aufgenommen.

1912 erschien der Band bei Friedrich Hofmeister in Leipzig. In der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg hatten Märsche Hochkonjunktur. Mit seinen 15 leichten Märschen mit Text für 2 Mandolinen, Mandola und Gitarre lag der 29-jährige Komponist Theodor Ritter voll im Trend. Seine Marsch-Kompositionen folgen fast alle einem gleichen Schema. Zu Beginn ein Marsch mit simpler Melodie und gleichförmiger Gitarrenbegleitung, daran anschließend ein „Trio“ mit einer bekannten (Volks-)Liedmelodie und unterlegtem Text.
Die Texte drehen sich um Heimat, Liebe, Abschied, Wanderschaft. Aber auch Soldatenleben und Krieg werden glorifiziert, so z.B. in dem Marsch Lustige Kameraden mit dem Lied Musketier sein lust´ge Brüder („Siegreich woll´n wir Frankreich schlagen, sterben als ein tapfrer Held“) oder in dem Marsch Frühlingsglaube, dem im Trio das Lied Hinaus in die Ferne mit lautem Hörnerklang von Albert Methfessel angefügt ist. Das Lied stammt aus der Zeit der Napoleonischen Kriege. Die letzten beiden Strophen lauten:
Der Hauptmann, er lebe! Er geht uns kühn voran
Wir folgen ihm mutig auf blutger Siegesbahn
Er führt uns jetzt zu Kampf und Sieg hinaus
Er führt uns einst, ihr Brüder, ins Vaterhaus
Wer wollte wohl zittern vor Tod und Gefahr?
Vor Feigheit und Schande erbleichet unsere Schar
Und wer den Tod im heil’gen Kampfe fand
ruht auch in fremder Erde im Vaterland.

Auf dem Titelblatt sind die typischen Wandervögel mit bändergeschmückter Gitarre und Mandoline zu sehen. Die Titelgrafik ist mit „R S“ signiert. Der handschriftliche Eintrag links oben weist darauf hin, dass das Exemplar einmal der Evangelischen Musikgruppe „Genezareth“ zu Neukölln gehört hat. Kaum zu erkennen ist der Prägestempel-Abdruck mit der Aufschrift A. Wertheim G.m.b.H. Musikalien.
Siehe auch Tanz-Album von Theodor Ritter.
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Beispiel Marsch Nr. 13 Frühlingsklänge mit dem Soldatenlied Hinaus in die Ferne im „Trio“.