Lagerlied Sachsenhausen, 1936

Wir schreiten fest im gleichen Schitt, wir trotzen Not und Sorgen
Musik von
bearbeitet von
Quelle
Lieder aus den faschistischen Konzentrationslagern, S. 51
Herkunft Region

Zeitl. Einordnung

1933 – 1945
Rubriken

Infos/Beschreibung

Sachsenhausen Lagerlied S 172
Anderes Sachsenhausen-Lied: Im Walde von Sachsenhausen

Wir schreiten fest im gleichen Schritt,
wir trotzen Not und Sorgen,
denn in uns zieht die Hoffnung
mit auf Freiheit und auf Morgen.

Was hinter uns, ist abgetan,
gewesen und verklungen.
Die Zukunft will den ganzen Mann,
ihr sei unser Lied gesungen.

Aus Esterwegen zogen wir leicht,
es liegt verlassen im Moore,
doch bald war Sachsenhausen erreicht;
es schlossen sich wieder die Tore.

Wir schaffen hinter Stacheldraht
mit Schwielen in den Händen
und packen zu und werden hart,
die Arbeit will nicht enden.

So mancher kommt, kaum einer geht,
es gehen Mond und Jahre,
und bis das ganze Lager steht,
hat mancher graue Haare.

Das Leben lockt hinter Drahtverhau,
wir möchten‘s mit Händen greifen,
dann werden unsre Kehlen rauh
und die Gedanken schweifen.

Wir schreiten fest im gleichen Schritt,
wir trotzen Not und Sorgen,
denn in uns zieht die Hoffnung
mit auf Freiheit und auf Morgen.

Das Sachsenhausen-Lagerlied ist eines der frühen Beispiele für Lieder, die auf Befehl der SS-Führung entstanden. „In drei Tagen will ich ein Lagerlied haben“ soll der SS-Mann Jakob Weißenborn befohlen haben. So berichtet es Karl Wloch, einer der drei Text-Autoren. Das Lied auf die Melodie eines Liedes aus den Bauernkriegen (Die Bauern wollte Freie sein) fand zunächst bei den SS-Leuten großen Anklang. Die Intention der Texter war, laut Wloch, „mit dem Lied die Widerstandskraft und die politische Einheit der Häftlinge zu stärken“. Wlochs Feststellung „Dies zu begreifen, war die SS aller Dienstgrade aber zu dumm“, scheint nicht lange gehalten zu haben, denn das Lied wurde schon nach kurzer Zeit als Lagerlied abgesetzt und wenig später war das Singen des Liedes sogar ganz untersagt.

Der Bericht von Karl Wloch zur Entstehungsgeschichte des Liedes ist in dem Band Lieder aus den Faschistischen Konzentrationslagern auf S. 53 abgedruckt.

Von den drei Autoren des Sachsenhausen-Liedes überlebte nur Karl Wloch die Nazi-Zeit. Bernhard Bästlein kam zwar 1940 aus dem Konzentrationslager Sachsenhausen heraus. Als Widerstandskämpfer arbeitete er im Untergrund. Er wurde verraten und 1944 im Zuchthaus Brandenburg-Görden hingerichtet. Karl Fischer starb noch während seiner Haft im Lager Sachsenhausen im Jahre 1940.

In einem anderen Sachsenhausen-Lied wird auch – wie im Lagerlied – in der dritten Strophe darauf aufmerksam gemacht, dass viele der ersten Häftlinge in Sachenhausen aus dem KZ Esterwegen kamen, wo sie als Moorsoldaten die Hölle im Moor erlebt hatten.

Im Walde von Sachsenhausen
Im Walde von Sachsenhausen