Zogen einst fünf wilde Schwäne, 1908/1918

Zogen einst fünf wilde Schwäne
Musik von
Text von
bearbeitet von
Quelle
W. Engel
Herkunft Region

Zeitl. Einordnung

1900 – 1914
Aspekte
Personen

Infos/Beschreibung

Zogen einst fünf wilde Schwäne,
Schwäne leuchtend weiß und schön.
Sing, sing, was geschah?
Keiner ward mehr gesehen, ja.
Sing, sing, was geschah?
Keiner ward mehr gesehn.

Wuchsen einst fünf junge Birken
grün und frisch an Bachesrand
Sing, sing, was geschah?
Keine in Blüten stand, ja.
Sing, sing, was geschah?
Keine in Blüten stand.

Zogen einst fünf junge Burschen
stolz und kühn zum Kampf hinaus.
Sing, sing, was geschah?
Keiner mehr kehrt nach Haus, ja.
Sing, sing, was geschah?
Keiner mehr kehrt nach Haus.

Wuchsen einst fünf junge Mädchen
schlank und schön am Memelstrand.
Sing, sing, was geschah?
Keins den Brautkranz wand, ja.
Sing, sing, was geschah?
Keins den Brautkranz wand.

Erste Textaufzeichnungen gehen auf das Jahr 1908 zurück, die Melodie wurde vermutlich zuerst während des Ersten Weltkriegs schriftlich festgehalten. 1918 veröffentlichte Karl Plenzkat das Lied Zogen einst fünf wilde Schwäne in einer von ihm aufgezeichneten Textfassung in dem Liederbuch Der Liederschrein. So wurde er in Folge immer wieder als Autor angesehen, was aber durch neuere Forschungen nicht mehr haltbar ist.

Das Lied verbreitete sich vor allem im Umfeld der Jugendbewegung. Nach dem Krieg mit den unzähligen Gefallenen traf es eine besondere emotionale Stimmungslage. Zogen einst fünf wilde Schwäne entwickelte sich im 20. Jahrhundert zu einem der populärsten Antikriegslieder. Die Kernaussage ist eindeutig: Wenn junge Männer stolz in den Krieg ziehen und nicht wieder zurückkehren, dann ist der Tod endgültig. Und dann stirbt mit ihnen auch alles andere. Die eindrucksvollen Bilder vom Sterben allen blühenden Lebens (Birken, Mädchen) erinnern stark an die Barock-Lyrik, an die Blumen, die müden Tod haben.

Das Lied von den fünf wilden Schwänen hebt sich deutlich von den vielen Liedern ab, die vor, während und auch noch nach dem Ersten Weltkrieg das Militär und das Sold-Sein verherrlicht haben. Erstaunlich ist, dass es sogar in Liederbücher der Nazi-Untergliederungen (HJ / BdM) aufgenommen wurde, obwohl die Aussagen von der Sinnlosigkeit von Kriegen nicht zur Ideologie der Nationalsozialisten passten. Es dauerte einige Zeit, bis sie das auch merkten, dann war das Lied auch wieder aus den ihren Liederbüchern verschwunden.

Nach dem Zweiten Weltkrieg waren es die Vertriebenen-Organisationen, die das Lied für sich reklamierten. In den 1970er/1980er Jahren gehörte Zogen einst fünf wilde Schwäne dann zu den wichtigsten Liedern der Friedensbewegung.

PDF
Begleitsatz für zwei Violinen

HB
Aufnahme vom Folklang-Festival aus dem Jahre 2018. Das Lied von den fünf wilden Schwänen wird von einem interkulturellen Chor/Orchester interpretiert.