Der Revoluzzer, 1907

War einmal ein Revoluzzer im Zivilstand Lampenputzer
Musik von
Text von
bearbeitet von
Quelle
Liederkalender „Geschichte (n) im Lied“ 1981
Herkunft Region

Zeitl. Einordnung

1900 -1914
Personen

Infos/Beschreibung

Dieses Kalenderblatt für September 1981 ist Teil eines Liederkalenders „Geschiche(n) im Lied“. Der Liederkalender wurde im Schuljahr 1980/81 im Rahmen eines Projektes der Sekundarstufe II an der IGS Hannover-Linden hergestellt. Zu jedem Lieder-Kalenderblatt gibt es auf den Rückseiten Hintergrundinformationen.

Infotext zu Der Revoluzzer

Das Gedicht Der Revoluzzer von Erich Mühsam ist im Untertitel der deutschen Sozialdemokratie gewidmet. Von den zahlreichen Vertonungen des Gedichts ist die von Bela Reinitz die populärste, u. a. bekannt gemacht durch den Sänger Ernst Busch.

War einmal ein Revoluzzer,
im Zivilstand Lampenputzer;
ging im Revoluzzerschritt
mit den Revoluzzern mit.

Und er schrie: „Ich revolüzze!“
Und die Revoluzzermütze
schob er auf das linke Ohr,
kam sich höchst gefährlich vor.

Doch die Revoluzzer schritten
mitten in der Straßen Mitten,
wo er sonsten unverdrutzt
alle Gaslaternen putzt.

Sie vom Boden zu entfernen,
rupfte man die Gaslaternen
aus dem Straßenpflaster aus,
zwecks des Barrikadenbaus.

Aber unser Revoluzzer
schrie: „Ich bin der Lampenputzer
Dieses guten Leuchtelichts.
Bitte, bitte, tut ihm nichts!

Wenn wir ihn’ das Licht ausdrehen,
kann kein Bürger nichts mehr sehen.
Lasst die Lampen steh´n, ich bitt!
Denn sonst spiel’ ich nicht mehr mit!“

Doch die Revoluzzer lachten,
und die Gaslaternen krachten.
Und der Lampenputzer schlich
fort und weinte bitterlich.

Dann ist er zuhaus geblieben
und hat dort ein Buch geschrieben:
Nämlich, wie man revoluzzt
und dabei doch Lampen putzt.