
Einen Hit landen und dann nur noch von den Tantiemen leben – ein Traum für manchen Komponisten. Dem Dänen Jacob Gade ist dieser Coup mit Jalousie (Eifersucht) gelungen. Der Tango, den er 1925 im Alter von 46 Jahren schrieb, gehörte schon bald zum festen Repertoire aller Tanzorchester und Tanzkapellen. Ursprünglich als Filmmusik zu einem Stummfilm geschrieben, wurde Jalousie als eigenständiger Titel auf den Markt gebracht und zum Verkaufsschlager. Notenausgaben mit und ohne Text für alle möglichen und unmöglichen Besetzungen verkauften sich weltweit ausgezeichnet.
Gade bediente sich bei seinem Tango tzigane gleichermaßen bei der Musik Argentiniens und Ungarns, hier ein bisschen Puszta, da ein wenig Rio de la Plata. Für den in Veijle geborenen Jacob Gade rollte zwar nicht der Rubel, aber immerhin die Krone. Zu Beginn der 1940er-Jahre konnte er sich – bar aller finanziellen Sorgen – auf die Insel Fünen zurückziehen, um sich nur noch seiner Lieblingsbeschäftigung, dem Komponieren, zu widmen.
Die Tantiemen aus dem Tango Jalousie sprudeln noch heute, sie fließen teilweise in eine Stiftung, die seit Jahrzehnten zahlreiche Nachwuchskünstler unterstützt hat, u.a. mit einem Geigen-Wettbewerb. Das hatte Gade 1956 in seinem Testament verfügt, weil er aus seiner Anfangszeit in Kopenhagen wusste, wie schwer es ist, allein mit Musik seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Eine Preisträgerin des internationalen Gade-Violinwettbewerbs, die Geigerin Anna Agafia Egholm, hat Jalousie 2019 zusammen mit dem Sinfonieorchester der Stadt Veijle (Leitung: Anne Cathrine Kielland Lund) aufgenommen (siehe HB).
Jalousie (1), 1926
Ausgabe für Klavier aus der Edition Karl Brüll, Berlin, Umfang 6 Seiten, Titelblatt mit einem Foto von Edmonde Guy und Ernest van Duren. Dieses Foto von Ernst Schneider diente auch als Vorlage für ein Titelblatt des freizügigen Magazins Paris Plaisirs (Nr. 35). Die französische Schauspielerin und Sängerin Edmonde Guy verkörperte perfekt den Typus Frau, für den sich in den 1920er-Jahren der Begriff Vamp durchsetzte.
Weitere Notenausgaben
Jalousie (2), 1926
Jalousie (3), 1937
Jalousie (4), 1940

Übrigens …
… war Vamp Edmonde Guy auch in der Werbung aktiv. Mitte der 1920er-Jahre brachte die AEG einen neuen elektrischen Staubsauger mit dem schönen Namen Vampyr auf den Markt. Natürlich konnte den Vampyr niemand besser präsentieren als ein Vamp. Die Wahl fiel auf Edmonde Guy. Das Bild der eleganten Dame mit dem Staubsauger wurde auf Plakaten und Postkarten verbreitet. Der passende Slogan lautete: Ganz Dame und doch Hausfrau.
Siehe auch Der Spiegel, Heft 6, v. 1.2.2020: „Was hatte ein Vampyr mit der Freiheit der Frauen zu tun?
Es gab sogar eine Werbe-Schallplatte, die in den 20er-Jahren von der AEG herausgegeben wurde (siehe HB).
HB
– Jalousie mit der Geigerin Anna Agafia Egholm, zusammen mit dem Sinfonieorchester der Stadt Veijle, Aufnahme 2019
– Staubsauger-Werbung Vampyr, Schallplatte 1920er-Jahre
PDF
Verlagswerbung Rückseite