Wann wir schreiten Seit´ an Seit´

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Zeitl. Einordnung

1914 – 1918
Personen

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Hymne der Arbeiterbewegung

Wann wir schreiten Seit´ an Seit´ ist eines der bekanntesten Lieder der Arbeiterbewegung. Der Text stammt von Hermann Claudius, einem Urenkel des berühmten Matthias Claudius (Der Mond ist aufgegangen). Zur Zeit des Ersten Weltkriegs, als der Text entstand, war Hermann Claudius ein glühender Kriegsbefürworter, was auch in vielen nationalistischen Gedichten zum Ausdruck kam. Während der Weimarer Republik bewegte er sich im Umfeld der SPD und ihren Jugendorganisationen. Seine völkische Gesinnung entfaltete sich mit der Machtübernahme der Nazis. Er engagierte sich in zahlreichen Nazi-Verbänden, u. a. setzte er sich auch für die Entfernung jüdischer Dichter aus den Berufsorganisationen ein. Sein Gebet für Hitler (Herr Gott, steh dem Führer bei, dass sein Werk das Deine sei) kann wohl nicht als Appell an Gott verstanden werden, Hitler auf den Weg christlicher Nächstenliebe zu bringen. Eine Relativierung der völkischen Lyrik mit angeblich wirtschaftlichem Druck, unter dem der Dichter nach seiner Frühpensionierung wegen eines Motorradunfalls litt, ist nicht sehr überzeugend.

Wann genau Text und Melodie entstanden, war lange Zeit umstritten. Die Angaben reichten von 1914 bis 1916. Die ersten Drucke sind für das Jahr 1914 nachgewiesen. Der Komponist der Melodie war der jugendbewegte Michael Englert, von Haus aus Jurist und tätig in der gewerkschaftlichen Rechtsberatung. Seine Begeisterung für die Wandervogel-Bewegung führte dazu, dass er seinen Schwerpunkt in den 1920er-Jahren auf das Unterrichten Jugendlicher auf Laute und Mandoline, die Arbeit mit Jugendchören und das Komponieren verlagerte.

Das Lied wurde über Jahrzehnte von den Chören des Arbeiter-Sängerbundes gesungen. Auch bei Parteitagen der Sozialdemokraten und ihrer Unterorganisationen gehörte das Singen dieser Hymne der Arbeiterbewegung zum festen Ritual am Ende von Veranstaltungen. Heute ist aufgrund der Verstrickung des Autors mit den Nationalsozialisten das Lied in sozialdemokratischen Kreisen nicht mehr angesagt.

Wann wir schreiten Seit’ an Seit’
und die alten Lieder singen,
und die Wälder widerklingen
fühlen wir, es muss gelingen:
Mit uns zieht die neue Zeit,
Mit uns zieht die neue Zeit.

Einer Woche Hammerschlag,
einer Woche Häuserquadern
zittern noch in unsern Adern.
Aber keiner wagt zu hadern:
Herrlich lacht der Sonnentag,
herrlich lacht der Sonnentag!

Birkengrün und Saatengrün,
wie mit einer Bittgebärde
hält die alte Mutter Erde,
dass der Mensch ihr eigen werde,
ihm die vollen Hände hin,
ihm die vollen Hände hin.

[Diese 4. Strophe wird in der Schallplatten-Aufnahme nicht gesungen.]

Mann und Weib und Weib und Mann
sind nicht Wasser mehr und Feuer
Um die Leiber legt ein neuer
Frieden sich, wir blicken freier
Mann und Weib, uns fürder an
Mann und Weib, uns fürder an.

Wann wir schreiten Seit’ an Seit’
und die alten Lieder singen,
und die Wälder widerklingen
fühlen wir, es muss gelingen:
Mit uns zieht die neue Zeit,
Mit uns zieht die neue Zeit.

HB
Aufnahme mit dem Teutonia-Chor, Hannover -Linden

 

Übrigens …
… diente die Textstelle Mit uns zieht die neue Zeit in der DDR auch als Pausenzeichen von Radio DDR und als akustische Senderkennung.

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