Die weinenden Hohenzollern, 1922

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Hanns Eisler Lieder und Kantaten, Band 9, S 48
Herkunft Region

Zeitl. Einordnung

1918 – 1933
Aspekte

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1922 schrieb Tucholsky das Gedicht Die weinenden Hohenzollern, das von Hanns Eisler vertont und von Ernst Busch bekannt gemacht wurde. [1]

Im Gegensatz zum unbeschwerten Spottlied Wem hamse de Krone jeklaut, ist Tucholkys Spott am Ende auch mit Bitterkeit gepaart: Ein ewig Gestern – nie ein Morgen (…) Es  trägt ein Volk die schweren Lasten.

Nachdem der deutsche Kaiser Wilhelm II. nach dem Ersten Weltkrieg auf den Thron verzichten musste, war das Kaiserreich und somit die Hohenzollernmonarchie am Ende. Über den Kaiser, der sich fluchtartig ins Exil absetzte, spottet Tucholsky: er fuhr töff, töff, töff nach Holland.

Sie sitzen in den Niederlanden
und gucken in die blaue Luft.
Der Alte mit den hohen Granden,
der Junge in der Tenniskluft.
Wer fuhr denn töff, töff, töff nach Holland,
woraus man heut sich traurig sehnt?
Sie klagen, ihre Welt sei Moll-Land …
Vater hat jeweent, Willy hat jeweent.
Alle ham se jeweent!

Die Vertreter der Monarchie hatten in der neuen Republik wenig Hoffnung auf die Rückkehr der kaiserlichen Familie nach Deutschland. Sie lebten ihre Träume und Fantasien vor allem in Romanen und Filmen aus, in denen sich alles um die Welt des Adels und der Hohenzollern drehte. Zu Beginn der 20er-Jahre gab es einen regelrechten Fridericus-Hype. [2] Dazu Tucholsky: Und selbst im Kino blüht die Lilie, das Fridericus-Auge tränt.

Das geht nun seit vier langen Jahren.
Es trieft das Schmalz. Die Zähre rinnt:
„Der biedre Greis in Silberhaaren –
das arme, so verfolgte Kind …“
Und selbst im Kino blüht die Lilie.
Das Fridericus-Auge tränt …
Das liegt nun mal in der Familie …
Vater hat jeweent, Willy hat jeweent.
Alle ham se jeweent!

Von der letzten Strophe gibt es zwei Versionen. Hier im Lied heißt es:

Sie schreiben Fibeln für die Kleinen –
drin steht: „Ich hab es nicht gewollt!“
Die Krone fiel. Wer wird denn weinen!
Das ganze Geld kam nachgerollt.
Und wer bezahlt und trägt die Lasten. (2)
und wird noch obendrein verhöhnt?
Das Volk, betreut vom Leierkasten …
Vater hat jeweent, Willy hat jeweent.
Alle ham se jeweent!

Bei Tucholsky in den Gesammelten Werken, Bd. 3, S. 181 lautet der Schluss:

Ein ewig Gestern – nie ein Morgen,
Mein Gott, die Welt hat andre Sorgen!
Es  trägt ein Volk die schweren Lasten …
Mit Melodien, dem Kitsch entlehnt,
drehn die an ihrem Leierkasten:
Vater hat jeweent, Willy hat jeweent.
Alle ham se jeweent!

HB
Aufnahme mit Ernst Busch
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[1] Notenfassung siehe Band 9 der Hanns Eisler Lieder und Kantaten-Ausgabe.
[2] Mehr zum Fridericus-Hype: Notenblatt Fridericus-Rex-Marsch