Altniederländisches Dankgebet, 16. Jh.

Wir treten zum Beten vor Gott den Gerechten
Musik von
Text von
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Quelle
Schellenberg, Das dt. Volkslied, Bd. 1
Herkunft Region

Zeitl. Einordnung

1500 -1600

Infos/Beschreibung

Schellenberg, Das deutsche Volkslied, Bd. 1, S. 449

Das Lied ist ein gutes Beispiel für den Funktionswandel und die Vereinnahmung von Liedern.
Als Altniederländisches Dankgebet tauchte es zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges erstmals in einer Sammlung (1628) bei Adrianus Valerius auf. Gesungen wurde das Lied allerdings schon Ende des 16. Jahrhunderts. Die Melodie war bereits als Volkslied verbreitet, der Text soll im Anschluss an eine siegreiche Schlacht der Niederländer gegen die Spanier entstanden sein.

Im Laufe der Jahrhunderte gab es eine Reihe von neuen Textfassungen, eine der bekanntesten stammt von dem Wiener Schriftsteller Josef Weyl aus dem Jahre 1877, die mit dem hier unterlegten Text bis auf ein Wort übereinstimmt (aus Reich wurde Recht):

Wir treten mit Beten
vor Gott den Gerechten,
er waltet und haltet
ein strenges Gericht,
er läßt von den Schlechten
nicht die Guten knechten,
sein Name sei gelobt,
er vergißt unser nicht.

Im Streite zur Seite
ist Gott uns gestanden,
er wollte, es sollte
das Reich [Recht] siegreich sein;
da ward, kaum begonnen,
die Schlacht schon gewonnen,
du Gott, warst ja mit uns,
der Sieg, er ward dein.

Wir loben dich oben,
du Lenker der Schlachten,
und flehen, mögst stehen
uns fernerhin bei,
daß deine Gemeinde
nicht Opfer der Feinde,
Dein Name sei gelobt;
o Herr, mach’ uns frei!

Das Dankgebet wurde in der Wilhelminischen Ära wie eine Hymne bei offiziellen Feiern, vaterländischen Aufmärschen und beim Zapfenstreich gespielt und gesungen. Im Ersten Weltkrieg sollte die Anrufung Gottes durch „die Guten“ den Kampfeswillen gegen „die Schlechten“ stärken.

Mit Beginn des Ersten Weltkriegs erschienen zahlreiche Ausgaben für unterschiedliche Besetzungen.

1917 findet sich das Lied auch in einer Beilage der Wacht im Westen, einer Kriegszeitung aus dem Ersten Weltkrieg.

Die Anrufung Gottes hatte anscheinend nicht den erwünschten Erfolg gebracht, dennoch büßte das Lied nichts von seiner Popularität ein. Der Star-Tenor Richard Tauber tönte unbeirrt:

Im Streite zur Seite
ist Gott uns gestanden,
Er wollte, es sollte
das Reich siegreich sein;
Da ward, kaum begonnen,
die Schlacht schon gewonnen,
Du Gott, warst ja mit uns,
der Sieg, er ward dein.

Obwohl die Propaganda der Nazis schon früh antichristliche Ansichten verbreitete, bediente man sich – wenn´s denn passte – auch gerne der emotionalen Wirkung bestimmter Rituale und Gesänge. Als im März 1938 deutsche Truppen in Österreich einmarschiert waren, verkündete Hitler auf dem Heldenplatz in Wien unter dem Jubel der Volksmassen den Eintritt seiner Heimat ins Deutsche Reich. Danach erklang der feierliche Gesang: Wir treten zum Beten vor Gott den Gerechten.

Das Jahrhunderte alte „Altniederländische Dankgebet“ erklingt auch heute noch zu bestimmten Anlässen, oft vorgetragen von Militärkapellen.

HB
Aufnahme mit Richchard Tauber
Aufnahme mit dem Heeresmusikkorps Kassel.