Die hier abgebildeten Anzeigen dienen rein wissenschaftlichen Zwecken zur Dokumentation des Themas „Musik in der Printwerbung“.
Werbekampagne der Zigarettenmarke NIL mit Prominenten aus dem Musikbusiness.
Die Zigarettenmarke NIL, seit 1901 als Orientzigarette auf dem Markt, schmückte sich immer gern mit Intellektuellen und Künstlern.
In Künstlerkreisen war das Zigarettenrauchen schon vor dem Ersten Weltkrieg verbreitet, in den 20er-Jahren galt Rauchen allgemein als chic und modern, vor allem auch für emanzipierte Frauen. Otto Dix porträtierte 1926 die Journalistin Sylvia von Harden mit einer qualmenden Zigarette in der rechten Hand, auf dem kleinen runden Tisch eine offene Zigarettenschachtel und eine Schachtel Streichhölzer. Dix war übrigens einer der bekanntesten NIL-Raucher in den 1920er-Jahren. Sein berühmtes Selbstbildnis, eingehüllt in eine Rauchwolke, stammt allerdings schon aus dem Jahre 1913.
2001 wurden zum 100. NIL-Jubiläum auf der Rückseite der blauen Zigarettenpackungen Bilder in schwarz-weiß von bekennenden prominenten NIL-Konsumenten aufgedruckt, unter ihnen der Schauspieler Otto Sander (60 Jahre Otto Sander. 100 Jahre NIL) und die Geschwister Pfister (10 Jahre Geschwister Pfister. 100 Jahre NIL).
Bereits drei Jahre vor dem Jubiläum hatte der Konzern Tabakregie/Austria Tabak eine Kampagne in den Printmedien mit Prominenten gestartet. Die Anzeigen waren immer mit einem Hinweis auf ein kulturelles Angebot verbunden – das neue Album, ein Konzert, ein Festival, ein Film, eine Tournee oder eine Lesung. Für die Prominenten hatte das Mitmachen bei der NIL-Kampagne den Vorteil, dass sie für sich werben konnten, ohne selbst teure Anzeigen in den Printmedien mit großer Reichweite schalten zu müssen.
Auf Otto Sanders Nil-Einsatz mit Ringelnatz-Lesung reagierte die TAZ Ende 1998 bitterböse:
„Mit diesem schwarzweißen Werbeplakat wirbt derzeit die Tabakfirma Regie für ihre Zigarettenmarke Nil – und lädt freundlich ein: „Mit Kultur aus dem Jahr: Bei Anruf Lesung. Otto Sander anrufen, zuhören, eine rauchen. Tel: 0190-250888.“
Was will uns diese Werbung sagen? Sollen Raucher, die wegen ihres ungezügelten Lasters vereinsamt sind, nicht zum Hörer greifen, um sich einen Profikiller anzuheuern, der sie am 31. Dezember pünktlich um 24 Uhr aus ihrem verquarzten Leben schießt – à la „Liebe Mutti, mein Vorsatz fürs neue Jahr: Ich hör‘ Silvester auf zu qualmen. Ich weiß auch wie: ich laß mich abknallen“? Sollen diese Menschen also weiterrauchen und mutterseelenalleine „mit Kultur“ das neue Jahr begrüßen? Telefonseelsorger Sander im Gehörgang, frische Fluppe in der Klappe – herzlich Willkommen, neues Jahr, schön, daß du da bist?“ (TAZ, 22.12.1998)

Das Duo Rosenstolz (AnNa R. und Peter Plate) folgte 1999 mit einer Anzeige, auf der Peter Plate den lässigen NIL-Raucher gibt. Im Text heißt es: NIL bittet zum Vorspiel: Pre-hear Parties zum neuen Album „Zucker“.
Zwei Jahre zuvor wusste der Spiegel über den Erfolg von Rosenstolz zu berichten: Der Sänger ist bekennend schwul, die Texte sind deutsch, die Melodien meistens wenig Viva- noch Formatradio-kompatibel, die gefeiertsten Auftritte gibt es im deutschen Osten. Doch das alles hat Rosenstolz nicht gehindert, in den vergangenen Jahren republikweit im Schattenreich jenseits der Videoclips eine stetig wachsende Gemeinde zu gewinnen. (Spiegel 39/1997)
Weitere Prominente der NIL-Kampagne:
HB
– Rosenstolz: Perlentaucher aus dem Album Zucker
– Rosenstolz: Herzensschöner