Die hier abgebildeten Anzeigen dienen rein wissenschaftlichen Zwecken zur Dokumentation des Themas „Musik in der Printwerbung“.
„Ich trinke Jägermeister, weil ich am liebsten im Wald und auf der Heide meine Freude suche.“
(Der 1. von allen)
Diese Anzeige war die erste einer der bekanntesten Anzeigen-Serien der 1970er/80er-Jahre.
Der Text spielt mit dem Anfang des volkstümlichen Jägerlieds aus dem frühen 19. Jahrhundert Im Wald und auf der Heide, da such ich meine Freude, ich bin ein Jägersmann. Ursprünglich diente der hochprozentige Kräuterlikör zum Anstoßen der Jäger nach erfolgreicher Jagd. Der Markenname Jägermeister existiert seit 1935. Passend zur Jagd ist auch der Hirschkopf mit gewaltigem Geweih im strahlenden Kreuz im Logo.
Das Besondere an der „Ich trinke Jägermeister, weil …“-Werbung war, dass jede Anzeige nur einmal erschien. Die Anzeigen waren durchnummeriert und liefen über 13 Jahre bis zur Nummer 3162. Nach einer längeren Pause wurde die Kampagne ab 1996 wieder aufgenommen (siehe Anzeige 3320 aus dem Jahre 1997).
Es fanden sich im Laufe der Zeit immer mehr Freiwillige, die Sprüche einreichten und sich auch fotografieren ließen. Jede Anzeige zeigte in der Regel eine Person, den „Ich trinke Jägermeister, weil…“-Satz und darunter den Slogan „Jägermeister. Einer für alle“.
Mit jeder neuen Anzeige war man gespannt, was an witzigen und originellen Einfällen noch kommen würde, auch wenn man selbst nie einen Tropfen Kräuterlikör getrunken, geschweige denn gekauft hatte. Viele Anzeigen arbeiteten mit anzüglichen Doppeldeutigkeiten, was schon bei der ersten Anzeige auffiel. Dazu musste man nicht wissen, dass der abgebildete Mann ein gewisser Paul Gredinger war, dessen Frau Heide hieß.

Wegen des großen Erfolgs der Jägermeister-Kampagne versuchten andere, die Werbung zu imitieren oder ähnlich vorzugehen. Selbst 25 Jahre später gab es im Spiegel 18/1998 noch ein Beispiel mit dem Spruch: „Ich kauf´mir ECHO DER FRAU, weil ich dann nicht mehr jede Woche zum Friseur muß„.

Günter Mast, der Chef von Jägermeister, drohte Nachahmern schnell mit Klagen. In mehreren Fällen kam es auch zu Prozessen. Angeblich wollte sich Mast sogar das Wort „weil“ patentieren lassen, was aber ohne Erfolg blieb.
Ein Prozess erregte 1981 besonderes öffentliches Aufsehen. Das Satire-Magazin Pardon hatte Anti-Jägermeister-Anzeigen veröffentlicht, u.a. mit einem Kind und dem Spruch „Ich trinke Jägermeister, weil mein Dealer zur Zeit im Knast sitzt.“ Mast gewann die Klage gegen Pardon, zahlte aber freiwillig einen Teil der Gerichtskosten, um ein Berufungsverfahren zu verhindern. Pardon brachte daraufhin weitere Anti-Jägermeister-Anzeigen. Mast unternahm nichts mehr, denn auch das war Werbung für seinen Kräuterlikör.