Filia hospitalis, 1885

O wonnevolle Jugendzeit mit Freuden ohne Enden
Musik von
Text von
bearbeitet von
Quelle
Allgemeines Deutsches Kommersbuch, 1922, S. 280
Herkunft Region

Zeitl. Einordnung

1800 – 1900
Personen

Infos/Beschreibung

Filia hospitalis 1885
Allgemeines Deutsch Kommersbuch, Ausgabe 1922, S. 280

Filia hospitalis ist nicht etwa eine junge Krankenschwester, wie man unbedarft übersetzen würde, sondern es ist im Studentenjargon des 19. Jahrhunderts des Wirtes Töchterlein oder eine junge Hausangestellte. Was nie offen ausgesprochen, aber durch Texte und Lieder immer wieder angedeutet wurde: die Grenzen zur Prostitution waren fließend. Wenn bei Uhland drei Burschen über den Rhein kommen und nach der Wirtin  Töchterlein fragen, dann fragt man sich, wie viele wohl noch in den nächsten Tagen kommen. Aber in der Dichtkunst wurde Vieles mit einem romantisierenden Schleicher verhüllt.

Bei Otto Kamp klingt das so:

Sie ist ein gar zu herzig Kind mit ihren blonden Zöpfen,
die Füßchen laufen wie der Wind im Schuh mit Quast und Knöpfen;
die Schürze bauscht sich auf der Brust, allwo ich schau, ist eitel Lust,
und keine ist aequalis der filia hospitalis.

Filia hospitalis AK 1918
Einladung zum Stelldichein? (26.1.1918)

Die Melodie zu dem Lied stammt von Otto Lob. Er gewann damit einen Wettbewerb, bei dem eine Melodie zu Kamps Gedicht gesucht wurde. Auf die Ausschreibung des Verlags des Allgemeinen Deutschen Kommersbuchs sollen angeblich 900 (!) Einsendungen eingegangen sein.

Die Melodie ist geschickt in zwei Teile aufgeteilt, der Anfang steht im 3/4-Takt und die zweimal zu singende Schlusszeile wechselt in den 6/8-Takt. Da können dann alle einfallen und es darf geschunkelt werden.  Das Lied wurde in viele Sammlungen mit Studentenliedern aufgenommen und diente auch als beliebtes Postkartenmotiv.

Die mit Filia hospitalis überschriebene Lied-Postkarte stellt den Bezug zum Lied her, die ersten drei Takte (O wonnevolle Jugendzeit mit Freuden) sind auch in Noten unter das Bild gesetzt. Man sieht einen Studenten, dem die Hausangestellte (oder Wirtstochter) schöne Augen macht. Diese Karte ist am 26.1.1918 gelaufen und wurde von Toni an ein Fräulein Tr. als Einladung zu einem Treffen in Bremen am Rathausbogen am Markt geschickt.

HB
O wonnevolle Jugendzeit