Haben Sie nicht den kleinen Cohn gesehen?, um 1900

Zu einer Illumination geht auch mit einer Maid Herr Cohn
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eigene Notentitel-Sammlung
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Zeitl. Einordnung

1900 – 1914
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Das von Guido Thielscher gesungene Couplet wurde zum Gassenhauer, die Titelzeile zum geflügelten Wort.

Im Text geht es um eine Frau, die bei einer Illumination ihren männlichen Begleiter aus den Augen verloren hat. „Die Maid glüht für Herrn Cohn gar sehr, fast mehr als rings das Flammenmeer“. Als Herr Cohn seine Ehefrau entdeckt, taucht er unter.  Weil der gute Mann klein ist, ist er im Gewühl nicht mehr zu sehen. Der Ruf der Frau „Haben Sie nicht den kleinen Cohn gesehen?“ wird von der Menge aufgegriffen und von einem zum anderen weitergegeben.

Habens Sie nicht den kleinen Cohn gesehen Text
Textblatt zu „Haben Sie nicht den kleinen Cohn gesehen?“

1. Zu einer Illumination
geht auch mit einer Maid Herr Cohn,
die Maid glüht für Herrn Cohn gar sehr,
fast mehr als rings das Flammenmeer.
Deshalb ist doppelt groß ihr Schreck,
als plötzlich Cohn war von ihr weg.
Das kam daher, weil er geseh´n
die liebe Ehehälfte geh´n.
Die Maid ist trostlos, ganz verzagt
und geht zum Schutzmann hin und fragt:
Hab’n Sie nicht den kleinen Cohn geseh’n?
Sah’n Sie ihn denn nicht vorüber geh’n?
In der Volksmenge
kam er in’s Gedränge.
Da hab’n Sie nun den Schreck –
der Cohn ist weg! –

2. Der Schutzmann zuckt und sagt: „I, wo,
gehn Sie doch hin ins Fundbureau,
’s ist möglich, daß man aus der Stadt,
ihn dort schon abgeliefert hat.“
Die Maid geht hin, doch war dort nix,
kein Cohn –, nur ’ne Con-servenbüx!
„Was mache ich jetzt bloß vor Schreck?
Ich bin ganz futsch, der Cohn ist weg!“
Und händeringend klagt die Maid
nun auf der Straße laut ihr Leid:
Hab’n Sie nicht den kleinen Cohn …

3. Um uns’re Maid, da bildet sich
ein Menschenknäuel, ganz fürchterlich.
Und gleich herrscht nun in dem Gewühl,
das allergrößte Mitgefühl.
Es bleiben fragend alle steh’n:
„Hab’n Sie denn nicht den Cohn gesehn?“
Es pflanzt der Ruf sich brausend fort,
und wird dann zum geflügelt’ Wort -,
ob hoch, ob niedrig, arm und reich,
wenn man sich trifft, so frägt man gleich:
Hab’n Sie nicht den kleinen Cohn …

4. Es ruft mich freundlicher Applaus,
ich komme dankbar noch mal ’raus,
und freue mich, daß dieses Lied
Berlin so ins Gemüthe zieht.
Deshalb ist doppelt groß mein Schreck,
der Kleene is noch immer weg.
Und wenn Sie jetzt in Tunnel geh’n,
so bitt’ ich Sie, sich umzuseh’n,
ach frag’n Sie doch beim Glase Bier,
und ich – ich frage noch mal hier:
Hab’n Sie nicht den kleinen Cohn …

Das Lied entspricht dem um 1900 üblichen Humor und bedient eine Reihe gängiger Klischees. Immer wieder geht es um den Mann, der mit der Geliebten unterwegs ist und Angst hat, dass ihn seine (böse) Ehefrau erwischen könnte. Nur weil der Mann Cohn heißt, ist der Inhalt des Liedes aber nicht antisemitisch, was häufig behauptet wird. Es gab zwar im Kaiserreich antisemitische Äußerungen im Zusammenhang mit dem Namen Cohn. Aber ebenso wurde der Name auch von jüdischen Textern gerne und häufig benutzt, denen man keinen Antisemitismus unterstellen darf.

Was dann nach 1933 aus dem Lied vom kleinen Cohn gemacht wurde, das ist allerdings Antisemitismus aus der untersten Schublade.

Siehe auch Notentitel.