Zeitl. Einordnung
1679 wurde Wien von einer großen Pestepidemie heimgesucht, bei der zehntausende Menschen starben. Im Pestjahr soll sich folgende Geschichte ereignet haben:
Beim Aufsammeln der Pestopfer landete auch ein Straßenmusiker, der reglos am Boden lag, auf dem Leichenkarren und wurde samt seinem Dudelsack in ein Massengrab geworfen. Dieser Musiker, ein gewisser Markus Augustin (in Wien als der liebe Augustin bekannt), war aber nicht tot, sondern nur sturzbesoffen. Als er am nächsten Tag im Massengrab erwachte, konnte er mit seinem Dudelsack auf sich aufmerksam machen und gerettet werden. Er hatte sich noch nicht einmal an den Pestleichen angesteckt.
Ob Augustin im Rausch von allein in die Grube gefallen ist oder ob er nach dem Erwachen am Morgen zu singen angefangen hat, darüber wird immer noch gestritten. Angeblich soll so das erste echte Wienerlied entstanden sein. Wobei einigen ganz peniblen Forschern die Frage nach dem „Ei“ oder „Oh“ keine Ruhe lässt. „Ei, du lieber Augustin“ oder „Oh, du lieber Augustin“? (1)
Dass die Geschichte auch frei erfunden sein könnte, spielt keine Rolle. Schön und vor allem rührselig ist sie allemal.
Erk/Böhme merken in einer Fußnote in Band 2, S. 750 an: Augustin soll nach Zeitungsberichten ein fahrender Spielmann und Bänkelsänger sein, der um 1678 in Wien gestorben ist. Die Herkunft der Melodie vermuten sie in Böhmen. Um 1800 soll sie als „Walzlied“ beliebt gewesen sein.

Das Lied vom lieben Augustin fand mit unterschiedlichen Texten Eingang in viele Liederbücher, oft unter dem Label Kinderlied und nur mit einer einzigen Strophe:
O du lieber Augustin, Augustin, Augustin,
O du lieber Augustin, alles ist hin!
Geld ist weg, Beutel ist weg, August liegt auch im Dreck,
O du lieber Augustin, alles ist hin!
Ältere Fassungen mit mehreren Strophen beziehen sich auf die Pest-Geschichte:
O du lieber Augustin,
Geld ist weg, Mäd’l hin!
O du lieber Augustin,
alles ist hin.
Geld ist weg, Mäd’l hin,
o du lieber Augustin!
O du lieber Augustin,
alles ist hin!
Rock ist weg, Stock ist weg,
Augustin liegt im Dreck,
o du lieber Augustin,
alles ist hin.
Und selbst das reiche Wien,
hin ist’s wie Augustin;
weint mit mir im gleichen Sinn,
alles ist hin!
Jeder Tag war ein Fest,
und was jetzt? Pest, die Pest!
Nur ein groß’ Leichenfest,
das ist der Rest.
Augustin, Augustin,
leg’ nur ins Grab dich hin!
O du lieber Augustin,
Alles ist hin!
Die Melodie des Liedes findet sich europaweit in verschiedenen Ländern. Es gibt auch unzählige Komponisten, die die Melodie verarbeitet haben. Immer wieder gerne wird Schönbergs 2. Streichquartett in dem Zusammenhang erwähnt, in dem er im 2. Satz das Augustin-Lied zitiert.
Siehe auch O, du lieber Augustin – Quodlibet.