Sabinchen war ein Frauenzimmer, 1849

Sabinchen war ein Frauenzimmer gar hold und tugendhaft
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Musenklänge aus Deutschlands Leierkasten 1849
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Zeitl. Einordnung

19. Jahrhundert
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Das Lied von Sabinchen wurde erstmals 1849 in dem Band Musenklänge aus Deutschlands Leierkasten veröffentlicht. Es handelt sich um eine Parodie auf die Bänkellieder, mit denen fahrende Leute ihr Geld verdienten. Je genauer sie Raub und Mord bis ins Detail ausmalten, desto mehr Publikum konnten sie um sich versammeln. Vorgeschichte, Tathergang und gerechte Strafe wurden mit Bildtafeln illustriert.

Der einleitende Text zum Sabinchen-Lied in der Ausgabe von 1849 enthält schon einen Hinweis, dass hier Dichtung und Wahrheit durcheinandergehen: Höchst schauderhafte Begebenheit, welche voriges Jahr am dreißisten Februar ist begangen worden. Nebst Beschreibung von der Verlaufung der ganzen Sach.

Das Lied entwickelte sich zu einem beliebten Volkslied, das – trotz aller blutigen und grausamen Schilderungen – durchaus auch mit Kindern gesungen wurde. Ich fand als Kind den Schuster super fies und gemein. Erst überredet er Sabinchen zum Klauen und dann bringt er sie am Ende auch noch um.

Über die gesellschaftliche Stellung von Dienstmädchen im 19. Jahrhundert machte man sich lange Zeit wenig Gedanken. Sie waren rechtlos und wurden häufig Opfer von Nachstellungen der Männer.

Das Lied beginnt – untypisch für ein echtes Bänkellied  –  mit einer Art Moralstrophe:

Ihr Leute merkt und nehmt zu Herzen
Die traurige Geschicht;
Der Diebstahl der bringt große Schmerzen,
Und nie kein Segen nicht.

Erst dann nimm die Geschichte ihren Lauf. Der Text der bekannten Volkslied-Fassung weicht von 1849er-Fassung ab, die so anfängt.

Sabine war sein Frauenzimmer,
sie war auch tugendhaft;
Deßhalben war zufrieden immer
Mit ihr auch die Herrschaft.

Die Volkslied-Version lautet:

Sabinchen Melodie
Melodie zu Sabinchen war ein Frauenzimmer

Sabinchen war ein Frauenzimmer,
Gar hold und tugendhaft;
Sie diente treu und redlich immer
Bei ihrer Dienstherrschaft.

Da kam aus Treuenbrietzen
Ein junger Mann daher,
Der wollte so gerne Sabinchen besitzen
Und war ein Schuhmacher.

Sein Geld hat er versoffen
in Schnaps und auch in Bier,
da kam er zu Sabinchen geloffen
und wollte welches von ihr.

Sie konnt‘ ihm keines geben,
drum stahl sie auf der Stell‘
von ihrer treuen Dienstherrschaft
sechs silberne Esslöffel.

Doch schon nach siebzehn Wochen,
da kam der Diebstahl raus,
da jagte man mit Schimpf und Schande,
Sabinchen aus dem Haus.

Sie sprach „Gottvergessener,
du rabenschwarzer Hund!“.
Der nahm sein krummes Schustermesser
und schnitt ihr ab den Schlund.

Ihr Blut zum Himmel spritzte,
Sabinchen fiel gleich um.
Der böse Schuster aus Treuenbrietzen,
der stand um sie herum.

Sie tat die Glieder strecken
nebst einem Todesschrei.
Den bösen Wicht tun jetzt einstecken
zwei Mann der Polizei.

In einem finstren Kellerloch,
bei Wasser und bei Brot,
da hat er endlich eingestanden,
die schaurige Freveltat.

Und die Moral von der Geschicht‘:
Trau keinem Schuster nicht!
Der Krug, der geht so lange zum Wasser,
bis dass der Henkel abbricht!

Die Melodie ist besonders gut für erzählende Bänkellieder und für den Vortrag mit Drehorgeln geeignet. Man konnte zu der Melodie auch andere Moritaten besingen.

HB
– Aufnahme mit Claire Waldoff
Thomas und Jaqueline Haug beim Drehorgeltreffen 2016

PDF
Fassung von 1849 aus dem Band Musenklänge aus Deutschlands Leierkasten.