Dieses opulente Werk von 400 Seiten ist kein Liederbuch, es enthält aber zahlreiche Liedtexte, Notenbeispiele von Liedern und Liedausschnitte aus allen möglichen Lied-Rubriken. Der Band beleuchtet die Geschichte des Deutschen Sängerbundes von der Gründung 1862 bis zu den beiden großen Sängerbundfesten in Hannover und Wien im Jahre 1928. Alle Sängerbundfeste werden ausführlich beschrieben:

Stand anfangs beim Deutschen Sängerbund noch der Wunsch nach nationaler Einheit im Vordergrund, so verschob sich das Gewicht zunehmend stärker in Richtung eines Nationalismus mit Großmachtfantasien. Seit den Napoleonischen Kriegen wurde in zahlreichen Liedern immer wieder Stimmung gegen Frankreich gemacht.
Da kam der ruhmreiche Krieg von 1870/71 und mit ihm die seit Jahrzehnten im Liede ersehnte Einigkeit. Das Lied ward Tat! So steht es im Text auf S. 29. Von allen Chören im Lande wurde besonders ein Lied mit Inbrunst gesungen: Die Wacht am Rhein.
In einer Eingabe an Reichskanzler Bismarck schreibt die Bundesleitung des Sängerbundes an den durchlauchtigsten Fürst und gnädigsten Herrn Reichskanzler:
(…) Möchte man hierbei auch der nicht geringen Bedeutung eingedenk sein, den die Macht eines patriotischen, inmittelst zur Nationalhymne gewordenen Liedes auf die Entwicklung der verwichenen großen Zeitepoche ohnfehlbar mit ausgeübt hat. Unter den begeisterten Klängen der „Wacht am Rhein“ eilte das geeinte deutsche Volk in Nord und Süd freudig zu den Waffen, um den frevelhaften Übermuth des tollen Erbfeindes zu brechen … (S. 29)
Das Motto des Sängerfestes in Breslau 1907 lautete:
Deutsch sei dein Geist!
Deutsch sei dein Lied!
Deutsch sei dein Wort,
dein Volk dein Stolz und höchster Hort!
Und deutsch, was droh´n und kommen mag,
dein Herz bis zu dem letzten Schlag! (S. 40)
(Dieser Ruf an die deutschen Sänger von Felix Dahn wurde vertont von Max Filke.)
Es gab in Breslau einen pompösen Festumzug mit geschmückten historischen Wagen: den Wagen des Kriegsliedes in altgermanischer Art, den Wagen des Kirchenliedes mit Palmenträgerinnen und Kreuzrittern, den Wagen des Liebesliedes mit 6000 roten Rosen.
Viktor Ritter von Schmeidel übergab der Stadt das Bundesbanner mit dem Geleitspruch:
Sind wir nur einig,
das Schicksal dann spricht:
Welt, du wirst deutsch,
ob du willst oder nicht. (S. 40)
Da bleibt kein Zweifel, in welchem Geiste der Sängerbund gewirkt hat.
Da der Band kein Inhaltsverzeichnis hat, ist die Orientierung sehr umständlich. Die folgende Aufstellung zeigt das breite Themenspektrum und bietet einen Überblick über die Autoren.
Der Deutsche Sängerbund (15)
Die Entwicklung des Deutschen Sängerbundes (S. 17)
Geschichte der Kreise des DSB (S. 60)
Der Deutsche Sängerbund und seine Einrichtungen (Johannes Poppe, Berlin) (106)
Das Deutsche Sängermuseum in Nürnberg (Bruno Plonka, Nürnberg) (124)
Formen des Männergesangs (Paul Mies, Köln) (139)
Unsere lebenden Meister (Franz Josef Ewens) (205)
Vom Lied (247)
Der Humor im deutschen Volkslied (Max Burckhardt, Berlin) (249)
Handwerkerlieder (Georg Panzer. Berlin) (266)
Wie die schönsten Lieder entstanden sind (Erich Langer) (272)
Deutsches Volk und deutsches Lied im Auslande (E. Maenner) (284)
Vom Sänger (315)
Die kulturelle Bedeutung des Männerchorgesanges (Fritz Stege, Berlin) (317)
Staat und Chorgesangwesen (Eberhard Preußner) (323)
Der Bund der Männerchöre im DSB (Wilhelm Tebje, Hamburg) (329)
Sänger und Student (Wilhelm Köntz, Berlin) (336)
Geschichte und Grundlagen der Sängerknabenchöre (Heinrich Damisch, Wien) (342)
Das Vereinsleben (Erich Langer) (352)
Das Kaiserpreissingen (371)
Der Männerchor auf der Schallplatte (Paul Mies, Köln) (388)
Anhang (391)
Sachregister
Literaturnachweis
Verzeichnis der Bildbeilagen
Verzeichnis der Tiefdrucktafeln