Liederbuch für unsere schaffende Jugend, 1948

Deutscher Gewerkschaftsbund
Unserem Hans Böckler und August Schmidt zugeeignet.
Autoren/ Hg.
Ort
Jahr
1948
Format
Rücken 15 – 18,5 cm

Infos/Kommentar

Das Liederbuch für unsere schaffende Jugend wurde im September 1948 vom Bundesvorstand des Deutschen Gewerkschaftsbundes herausgegeben, also ein Jahr vor der offiziellen Gründung des DGB im Oktober 1949. Die Bestrebungen, eine einheitliche gewerkschaftliche Dachorganisation zu schaffen, setzten bereit direkt nach Kriegsende 1945 ein. August Schmidt, dem neben Hans Böckler dieses Liederbuch zugeeignet ist, gründete den Industrieverband Bergbau in der britischen Zone und er war ab 1947 Mitglied im Zonenvorstand des DGB für die britische Zone.

Grafik S 193
In froher Rund´(?), Grafik S. 193

Erschienen ist das Liederbuch im Verlag Kunst im Westen in Essen. Das Vorwort ist mit Braukmann und Bartoniczek unterzeichnet. Sie schreiben, dass die Anregung zu der Liedersammlung vom Industrieverband Bergbau ausgegangen ist. Die Aufnahme von Gedichten in das Liederbuch begründen sie damit, dass so das Gedankengut alter Meister und Arbeiterdichter vermittelt werden soll. Intention des Liederbuches schreiben sie:

Beachtet: Tendenz kennt das vorliegende Liederbuch nicht, es ist allein auf die Belange der schaffenden deutschen Jugend ausgerichtet, indem es eine Fülle deutschen Geistesgutes in die Hand gibt zum praktischen Tun; aber in diesem Tun liegt eine Forderung: Los vom Kitsch, los vom seichten Schlager, der euch weder Stil noch innere Haltung vermittelt. Hier ist eine saubere Atmosphäre, die zu euch gehört wie der helle Tag.

Sauberer Atmosphäre wie der helle Tag im Kampf gegen Kitsch? Rückblickend empfindet man derartige Formulierungen als kitschig.

Die Herausgeber legen die ihrer Meinung nach künstlerisch wertvollen Zeichnungen, die die Kapitel einrahmen, der Jugend besonders ans Herz. Betrachtet man mehrere dieser Zeichnungen hintereinander, dann bleibt eine gewisse Trostlosigkeit zurück. Verantwortlich für die grafische Gestaltung ist der Essener Künstler Heinz Schildknecht, der nach dem Krieg mehrere Auftragsarbeiten für den DGB ausgeführt hat. Zu seiner Biografie ist nur wenig zu finden. Immerhin macht stutzig, dass er laut Wikipedia-Eintrag Mitglied der Waffen-SS war, aus der er 1935 ausgeschlossen wurde.

Ebenso fragt man sich, wie auch Lieder von Hans Baumann (in diesem Fall die harmlosen) in das Liederbuch kommen konnten, denn es war ja bekannt, dass Baumann mit zahlreichen Liedern in Nazi-Liederbüchern vertreten war.

Was allerdings die Herausgeber des Liederbuchs für die schaffende Jugend bewogen haben mag, einen Text von Heinrich Lersch voranzustellen, ist nicht zu begreifen. Lersch war kein harmloser Mitläufer, sondern ein aktiver Unterstützer der Nazis. Da hilft es auch nicht, wenn man ihn als Arbeiterdichter tituliert. Seine Deutsche Hymne mit der Anfangszeile Leuchte, scheine, goldne Sonne findet sich in über 20 auflagenstarken NS-Liederbüchern, nur mit anderer Überschrift und textlich leicht variiert.

Ist das 1948, drei Jahre nach Ende der Naziherrschaft, wirklich niemandem aufgefallen?

PDF
Titelei
– Widmung an Hans Böckler und August Schmidt
– Vorwort
– Deutsche Hymne von Heinrich Lersch
– Weitere Beispielseiten
– Verzeichnis der Gedichte mit Dichtern und Verlegern
– Unsere Klampfe (von H. Meyer)
– Inhaltsverzeichnis