
1909, also fünf Jahre vor dem Beginn des Ersten Weltkriegs, erschien die erste Ausgabe der Reihe Sang und Klang fürs Kinderherz im Verlag Neufeld & Henius in Berlin. Als Herausgeber ist der Komponist Engelbert Humperdinck angegeben, vermutlich als Aushängeschild mit Professorentitel und als Komponist der Erfolgsoper Hänsel und Gretel. Die Liedauswahl besorgten andere, die Dichter Victor Blüthgen und Egon H. Strasburger. Der Band ist von Paul Hey aufwendig illustriert, auch mit vielen ganzseitigen Bildern.
Zu Lebzeiten Humperdincks sind zwei Bände von Sang und Klang fürs Kinderherz erschienen. Humperdinck als auch Blüthgen starben 1921, Weitere Bände wurden von Strasburger und Hey gestaltet (beide 1952 gestorben), insgesamt gab es 18 verschiedene deutschsprachige Ausgaben zwischen 1909 und 1985. Eine Werbung für Sang und Klang fürs Kinderherz auf zwei Seiten findet sich im Band Der Rhein im Lied.
Neben Volks-, Kinder-, Jahreszeit- und Weihnachtsliedern finden sich auch einige Titel, in denen das tapfere Soldatentum angepriesen wird. Das Lied Der kleine Rekrut (S. 7) gehörte um die Jahrhundertwende zum festen Repertoire von Kinderlieder-Sammlungen und Schul-Liederbüchern. Der Text der letzten Strophe lautet:
Doch vor allem muß Courage haben jeder, jeder Held,
sonst erreicht ihn die Blamage, zieht er ohne sie in’s Feld.
Die Illustration von Paul Hey dazu zeigt Kinder mit Trommel und Trompete vor den Toren eines idyllischen Dorfes, die exerzierende Soldaten spielen. Der Feldwebel mit Pickelhaube reitet auf einem Steckenpferd.
Auch andere Lieder in dem Band haben Soldatentum und Heldentod auf dem Schlachtfeld zum Thema. Dazu zählen Ich hat einen Kameraden (S. 24), Soldaten Marschlied (S. 44) oder Reiters Morgenlied (S. 52):
Morgenrot, Morgenrot,
leuchtest mir zum frühen Tod?
Bald wird die Trompete blasen,
dann muß ich mein Leben lassen,
ich und mancher Kamerad.
Übrigens …
… befindet sich auf der Rückseite des Bandes ein Hinweis, der mit Liedern nichts zu tun hat, aber einen anderen kulturgeschichtlichen Aspekt beleuchtet.

Heute weiß kaum noch jemand, was unter Chemigraphie zu verstehen ist. Der Chemigraph gehört seit Ende des 20. Jahrhunderts zu den ausgestorbenen Berufen. Das Tätigkeitsfeld umfasste im weitesten Sinne die Herstellung von Druckvorlagen/Klischees. Wie groß die Vielfalt der Berufe im graphischen Gewerbe um 1910 war, lässt sich am Untertitel der in Berlin herausgegebenen Wochenschrift Graphische Presse ablesen:
Organ für die Interessen der Lithographen, Steindrucker, Chemigraphen, Photographen, Licht- und Kupferdrucker, Formstecher, Tapeten- und Wachstuchdrucker u. verw. Berufe (Graphische Presse, No. 4, 23. Jg., 28.1.1910).
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Ausgewählte Seiten mit Illustrationen von Paul Hey.