Sechs Altniederländische Volkslieder, nach 1893

aus der Sammlung des Adrianus Valerius vom Jahre 1626
für zweistimmigen Schulchor
Ort
Jahr
um
1893
Format
Rücken 30 – 35 cm

Infos/Kommentar

Fast 100 Jahre lang kämpften im 16./17. Jahrhundert die Niederlande gegen die spanische Unterdrückung. Erst mit dem Westfälischen Frieden 1648 konnten sie ihre Unabhängigkeit erlangen. Philipp II. hatte die Niederlande von seinem Vater Karl V. geerbt. Der erzkatholische Despot wollte den in Teilen protestantischen Niederländern seinen „rechten“ Glauben aufzwingen. Dabei wurden alle Methoden der Inquisition angewandt, um die totale Überwachung der Menschen zu ermöglichen. Einige Adlige und Herzöge, die meinten in den Konflikten mit den Spaniern vermitteln zu können, wurden umgebracht. Über den Grafen Egmont schrieb Goethe später sein berühmtes Trauerspiel.

Mit Wilhelm von Oranien hatten die Niederländer einen Anführer, der im Laufe des Achtzigjährigen Krieges (1568-1648) einige diplomatische und militärische Erfolge erzielen konnte.  Nach seiner Ermordung 1584 durch einen katholischen Fanatiker wurde Wilhelm I. von Oranien für die Niederländer zum Vater des Vaterlandes. Das Lied Het Wilhelmus wurde aber erst 1932 zur niederländischen Nationalhymne erklärt.

In dem Vorwort auf S. 3 der Notenausgabe wird der historiche Hintergrund bis zur Ermordung Wilhelms I. ausführlich dargelegt. Auf dieser Grundlage sind die sechs Lieder zu verstehen.

1. Klage. (Original Hoe groot)
2. Wilhelmus von Nassauen. (Original Wilhelmus van Nassouwe, ben ick van duijtschen bloet)
3. Kriegslied. (Original Welgeluckig is, di wel leert te steroen)
4. Abschied. (Original Siet Christenmenschen!)
5. Berg op Zoom. (Original Merck, toch hoe sterek)
6. Dankgebet . (Original Wilt hedaen nu treden voor God)

Die Melodien stammen aus der von Adrianus Valerius 1626 in Harlem herausgegebenen Liedersammlung Neder-Landtsche Gedenck-Clanck, einstimmig in Mesuralnotation mit Lautentabulatur gedruckt.

Alle sechs Lieder dieser Schulausgabe B. sind für zweistimmigen Schulchor mit Klavierbegleitung gesetzt, eingerichtet von F. Gustav Jansen. Dass es zu weiteren Ausgaben speziell für Schulen gekommen ist, ist wohl auch dem Wunsch des deutschen Kaisers Wilhelm II. geschuldet. Zumindest wird es in der Verlagswerbung auf der Rückseite so dargestellt.

Sechs altniederländ Volkslieder Rückseite
Aus der Verlagswerbung auf der Rückseite des Liederheftes

Zuerst gab es die sechs Lieder als gewaltiges Werk für Tenor- oder Bariton-Solo, Männerchor mit Orchester und verbindender Dichtung. Bei einem Konzert des Hannoverschen Männergesangvereins am 1.12.1893 hörte der Kaiser diesen Cyclus zu ersten Mal, danach noch einmal bei einem Hofkonzert in Potsdam. Seinem Wunsch, diese Gesänge auch für Schulen herauszugeben, entsprach der Verlag mit einer Ausgabe A. für Gymnasien und andere höhere Lehranstalten und einer Ausgabe B. für Bürger-, Mittel- und Volksschulen. Zusätzlich gab es noch eine Ausgabe C. als Volksausgabe für Männerchor.

PDF
vollständiges Liederheft