Die hier abgebildeten Anzeigen dienen rein wissenschaftlichen Zwecken zur Dokumentation des Themas „Musik in der Printwerbung“.
Waren das noch Zeiten, als man sich mit einem Faxgerät an der Spitze der technischen Bewegung wähnen konnte. Die Deutsche Bundespost führte 1979 den Telefon-Faxdienst ein. Doch was nützte einem ein sogenannter Fernkopierer mit dem ekeligen aufgerollten Thermopapier, wenn es nur wenige gab, die auch Faxe senden und empfangen konnten. Zehn Jahre später hatte sich das Faxen durchgesetzt, auch dank des Einsatzes von ganz normalem Papier.
In dieser Annonce aus dem Jahre 1994, die mir leider nur als s/w-Kopie vorliegt (ist mir wohl zugefaxt worden?), wird ein Kombigerät gezeigt, mit dem ein Notenblatt versendet wird. Der Text dazu ist arg an den Haaren herbeigezogen:
Auch wenn man erst kurz vor dem Auftritt merkt, daß man seine Noten vergessen hat, muß man die Veranstaltung nicht absagen. Dank Fax. Damit kann man sich die fehlenden Stücke einfach nachsenden lassen.
Ein Blues-Sänger, dem die Noten fehlen? Wer hat sich das denn ausgedacht? Und wenn man sich die Noten oben in der Sprechblase genau ansieht, dann kann man ins Grübeln kommen. Hätte der Sänger diesen Unsinn wirklich gesungen, dann wäre es besser gewesen, das Konzert abzusagen.
In diesem Sinne bekommt der ins Auge fallende Spruch „Ratzfax hatte er den Blues“ eine Bedeutung, die wohl so nicht beabsichtigt war. Das ist zwar ein schönes Wortspiel in Bezug auf das vergessene Notenblatt. Die Bedeutung der Redewendung ist aber eine andere. Hat man den Blues, dann meint das umgangssprachlich, dass man nicht so gut drauf ist. Das geht zurück auf die weit verbreitete Ansicht, Blues sei etwas Trauriges, Melancholisches.
Würde man also böswillig die Geschichte, mit der der Werbetext begonnen hat, fortführen, dann könnte man sagen, der Sänger hat die Noten tatsächlich vorgetragen und ist dafür ausgebuht worden. Da gings ihm nicht so gut: Ratzfax hatte er den Blues.
Wer´s nicht glaubt, kann es mit einem Selbstversuch überprüfen. Da kein Notenschlüssel erkennbar ist, versuchen Sie es mit Violin- und Bassschlüssel. Hier der Notenausschnitt:
