Diverse Musikinstrumente, 1998

Produktgruppe
Fundstelle
Focus 16/1998, S. 181
Quelle
Musik in der Printwerbung – Sammlung Engel
Jahr
1998
Anmerkungen
Personen

Die hier abgebildeten Anzeigen dienen rein wissenschaftlichen Zwecken zur Dokumentation des Themas „Musik in der Printwerbung“.

Infos/Kommentar

Die Annonce arbeitet mit vielen Versatzstücken, die einem irgendwie bekannt vorkommen, aber gleichzeitig den Eindruck vermitteln, dass alles nicht so recht zusammenpasst. In einem historischen Bilderrahmen ist links eine japanische Shamisen-Spielerin mit ihrer dreiseitigen Langhalslaute zu sehen. Der Flötenspieler rechts im Bild – an kubistische Musikerdarstellungen erinnernd –, ist ein harter Kontrast, der so gar nicht dazu passen will. Die Frau am Cembalo kommt einem sofort bekannt vor. Gemalt hat sie um 1670 der Niederländer Jan Vermeer van Delft, der Titel seines Bildes lautet: Junge Frau, sitzend vor dem Virginal (1). Etwa 200 Jahre später malte ein anderer berühmter Maler, der Franzose Manet, einen Querflöte spielenden jungen Mann. Ein Ausschnitt seines Gemäldes Der Pfeifer bildet das vierte Teil im Puzzle der zusammen Musizierenden.

Ist die Klammer der Bild-Collage das gemeinsame Musikmachen von Einzelpersonen, so wird dieser rote Faden im unteren Teil der Anzeige im Text aufgegriffen. Die Vergleiche aus der Musik wirken genauso künstlich zusammengesetzt wie die Einzelteile der Bild-Montage. Da ist die Rede von Solisten, die den Ton angeben, Spielraum, den es zu schaffen gilt, optimiertem Zusammenspiel und dem Wunsch, etwas in Einklang zu bringen. Fazit: Denn heutzutage spielen Organisationen nur dann die erste Geige, wenn alle Stärken zusammenspielen.
Um das zu erreichen, hilft nur eins: Andersen Consulting konsultieren. Die bringen das Chaos wieder in Ordnung.

Übrigens …
… wird der Vergleich mit der ersten Geige in der Werbung und in der Umgangssprache sehr häufig bemüht. Wer erste Geige spielt, hat angeblich das Sagen. Bezogen auf das Orchester ist der Vergleich schräg, denn die ersten Geigen müssen sich genauso einem gemeinsamen Ganzen unterordnen wie die Bratschen, Hörner und alle anderen. Kann es wirklich ein erstrebenswertes Ziel für alle sein, die erste Geige zu spielen? Ein Orchester-Konzertabend nur mit ersten Geigen könnte vielleicht zu therapeutischen Zwecken verordnet werden, um über das menschliche Miteinander zu meditieren. Selbst ein Streichquartett aus der klassischen Epoche wäre ohne zweite Geige, Bratsche und Cello nur streckenweise erträglich. Wie wär´s also mal mit dem Slogan: Als Unternehmen sind sie nur dann erfolgreich, wenn Sie zweite Geige, Bratsche und Cello mit ins Boot holen.
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(1) Das gerahmte kleine Bild im großen Bild ist auch von Jan Vermeer übernommen.