Colonel Bogey (1), 1916/ 1957

The Bridge on the River Kwai
bezeichnet als
Musik von
Text von
Titelblatt von
Ort
Jahr
1916
Verlags-Nr.
H. & S. 5399
Druckerei
Anmerkungen
Neue Ausgabe der 1916er-Fassung
Aspekte

Infos/Kommentar

Der Colonel Bogey March wurde bereits 1914 von einem 33-jährigen britischen Militärmusiker komponiert, der an der berühmten Royal Military School of Music Orchesterleitung studiert hatte. Sein Name F. J. Ricketts ist weniger bekannt, denn er hat alle seine Kompositionen unter dem Pseudonym Kenneth J. Alford veröffentlicht. Alford wird häufig als Marsch-Komponist mit dem Amerikaner John Philip Sousa auf eine Stufe gestellt. Er gilt vor allem als Fachmann für Instrumentation.

Nicht ohne Grund hat sich 1957 der Komponist Malcolm Arnold für seine Filmmusik zu The Bridge on the River Kwai die Vorlage von Kenneth J. Alford ausgesucht. Die ganze Szene ist als ein großes Crescendo angelegt, das sich aus dem Nichts entwickelt. Anfangs wird die Colonel Bogey-Marschmelodie von den britischen Kriegsgefangenen nur verhalten gepfiffen. Das Ganze steigert sich, bis dann im letzten Drittel der Szene das Orchester mit der Gegenmelodie einsetzt.

Nach der Filmpremiere brauchte es nicht lange, bis der River Kwai-Ohrwurm überall gepfiffen wurde. Für Film, Schallplatten, Noten gab es zahlreiche Auszeichnungen und Preise. Der River-Kwai-Marsch wurde ein Mega-Verkaufserfolg, der bis heute in der ewigen Hitliste ganz weit oben gelistet ist.

Beim Durchblättern einer alten SPIEGEL-Ausgabe vom 30.4.1958 fiel mir ein interessanter Artikel in die Hände, in dem der Hintergrund der Entstehung der berühmten Filmszene mit dem gepfiffenen Marsch geschildert wird. Die Nachfrage nach Schallplatten war 1958 bereits so enorm, dass Philips zusätzlich im Ausland pressen lassen musste. In Frankreich wurde ein Text zu dem Marsch erfunden, es erschienen Fassungen für alle möglichen Besetzungen.

Am schönsten ist aber die Geschichte, was der Anlass für den Colonel Bogey March gewesen sein soll. Als der Komponist Ricketts unberechtigterweise einen Golfplatz betreten hatte, wurde er von einem Aufseher mit einem Pfiff aufgefordert, den Platz zu verlassen. Er eilte „nach Hause, um den melodischen Pfiff des Grobians zu einem Marsch auszuweiten.“  Wenn´s im SPIEGEL stand, dann wird es wohl auch wahr sein.

Übrigens: 1977 benutzte der Magenbitter-Hersteller Underberg die Popularität der Colonel-Bogey-Melodie für Werbefilmchen mit dem Motto: Komm doch – mit auf den Underberg. Am Ende heißt es: Dieser Film ist all denen gewidmet, denen Underberg mit seinen erlesenen Kräutern jeden Tag ein klein wenig über den Berg hilft. In den 1950er-Jahren lautete die Parole noch: Täglich Underberg und Du fühlst Dich wohl.

HB
– Filmszene aus The Bridge on the River Kwai mit dem River Kwai-/Colonel Bogey March
– besonders erfolgreiches Arrangement von Mitch Miller, 1957
– Werbefilm Komm doch – mit auf den Underberg
– Ursprünglicher Marsch von Kenneth J. Alford

PDF
Kwai-Marsch. Pfiffe auf dem Golfplatz, DER SPIEGEL, 30.4.1958 , S. 62