Ich küsse Ihre Hand, Madame, und träum’, es war Ihr Mund.
Ich bin ja so galant, Madame, doch das hat seinen Grund.
Hab’ ich erst Ihr Vertrau´n, Madame, und Ihre Sympathie;
wenn Sie erst auf mich bau’n, Madame,
ja, dann, Sie werden schau’n, Madame,
küss’ ich statt Ihrer Hand, Madame,
nur Ihren roten Mund!
Auf dem Titelblatt von A. DEVENTER stehen gleich 16 Männer Schlange, um einer Frau die Hand küssen zu dürfen. Ob alle auch dabei an ihren roten Mund denken? Wir küssen ihre Hand Madame, so steht es oben auf dem Notentitel, dazu wie auf einer Perlenkette aufgereiht die Fotos von Interpreten, einem Schauspieler, dem Komponisten und dem Texter.
In der oberen Reihe sechs Musiker mit Angabe ihrer Plattenlabels:
Jack Smith „Electrola“
Hans Heinz Bollmann „Homochord“
Dajos Béla „Odeon“
Richard Tauber „Odeon“
Austin Egen „Electrola“
Marek Weber „Electrola“
In der mittleren Reihe sechs weitere Musiker und ein Schaupieler:
Efim Schachtschneider „Grammophon“
Max Kuttner „Tri-Ergon“
Fred Bird „Homochord“
Harry Liedtke, im Film „Ich küsse ihre Hand Madame“ – Deutsches Lichtspiel Syndikat
Max Hansen „Grammophon“
Theo Lucas „Vox“
Paul Godwin „Grammophon“
Darunter die Autoren Fritz Rotter und Ralph Erwin. Das kleine untere Foto zeigt vermutlich den Verleger.
Die zentrale Figur in der Fotogalerie ist der Schauspieler Harry Liedtke, einer der populärsten Stars der Stummfilmzeit. Der Film Ich küsse ihre Hand, Madame mit Marlene Dietrich und Harry Liedtke in den Hauptrollen entstand 1929, also am Ende der Stummfilmära. Das besondere an dieser Filmproduktion war, dass hier bereits eine Vorahnung auf den Tonfilm angedeutet ist, denn der von Richard Tauber gesungene Titel-Schlager wurde mit einer zusätzlichen Tonspur dem Schauspieler Liedtke als Playback in den Mund gelegt.
Der Schlager wird immer wieder als Tango bezeichnet. Zwar sind musikalisch Tango-Elemente zu erkennen, aber auch hier merkt man schon, dass der Tango bald einer seichteren Tanzmusik weichen wird. Das wird in der operettenhaften Tauber-Interpretation sehr plastisch vorgeführt.

In den Noten taucht die Bezeichnung Tango nicht auf, es steht nur als Tempoangabe am Anfang Tempo di Tango über den Noten.
Die Widmung an die Frau des berühmten Orchesterleiters Dajos Béla wirkt aus heutiger Sicht unfreiwillig komisch, denn sie hieß weder Dajos mit Vornamen noch Béla mit Nachnahmen. Béla war übrigens auch nur ein ungarisch klingender Künstlername, den die Plattenfirma dem Künstler Lew Golzmann verordnet hatte.
HB
Aufnahme mit Richard Tauber
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Die Rückseite wird für Verlagswerbung genutzt, die Auswahl der Probetakte wurde von Auflage zu Auflage verändert.