Mondnacht auf der Alster, o.J. [1888]

Moonlit night on Alster
bezeichnet als
Musik von
Text von
Titelblatt von
weitere Personen
Ort
Jahr
1888
Verlags-Nr.
A.J.B. 4406
Anmerkungen

Infos/Kommentar

Mondnacht an der Alster 7 6 1898
Mondscheinkarte vom 7.6.1898

Oscar Fetrás (1854-1931) war ein großer Fan von Johann Strauß. Anfangs betrieb er die Musik nur als Hobby, er machte mit seiner kleinen Kapelle Tanzmusik. Der echter Hamburger Junge arbeitete nach einer Lehre zunächst im kaufmännischen Bereich einer Reederei. Als er 1888 seinen erfolgreichsten Walzer Mondnacht auf der Alster komponierte, hatte er schon fünf Jahre nur von der Musik gelebt.

Die Mondnacht (Claire de lune) hatte es im 19. Jahrhundert vielen Dichtern und Komponisten angetan. Wobei nicht jeder Mond original vom Komponisten so gedacht war. Beethoven hatte seine Sonate in Cis-Moll nur Quasi una fantasia überschrieben, den für die Vermarktung perfekten Markennamen Mondscheinsonate erhielt sein Stück erst einige Jahre nach seinem Tod. In zahlreichen Liedern der Romantik scheint immer wieder der Mond durch. Und für die Impressionisten passte ein Claire de lune -Titel ebenfalls gut ins Programm. Übrigens entstanden Debussys Klavierstück und der Alstermond-Walzer beide etwa zur gleichen Zeit am Ende des 19. Jahrhunderts.

Mit Mondnacht auf der Alster wurde Oscar Fetrás über Nacht auch international bekannt und einige nannten ihn ehrfurchtsvoll den Walzerkönig von Hamburg (bzw. von Norddeutschland). Das Foto des Komponisten Fetrás auf dem Titelblatt zeigt eine gewisse Ähnlichkeit mit seinem Idol Johann Strauß.

Gewidmet ist die Jubläums Ausgabe des Walzers Ihrer Majestät der Königin Elisabeth von Rumänien. Die 1843 als Elisabeth Pauline Ottilie zu Wied geborene Prinzessin war auch als Schriftstellerin unter dem Pseudonym Carmen Sylvia bekannt. 1888 besuchte sie Westerland. Ob Fetrás sie persönlich kannte, war nicht herauszufinden.

Ende des 19. Jahrhunderts kamen auch sogenannte Mondscheinkarten in Mode, „bei denen in eine düstere blau gedruckte Tageslichtaufnahme der Mond und die Straßenbeleuchtung einretuschiert wurden“. (Weidmann, Dieter: Postkarten, München/Berlin 1996, S. 17).

Eine dieser Mondscheinkarten von 1898 gibt es auch von Hamburg mit Blick auf Alsterbassins und Lombardsbrücke. Diese Ansicht entspricht ungefähr dem Foto auf dem hier vorliegenden Titelblatt.

Zahlreiche Ansichtskarten gibt es auch vom Uhlenhorster Fährhaus an der Außenalster, der Wirkungsstätte von Fetrás, wo er mit seiner Kapelle zum Tanz aufspielte. Mit der Zerstörung des beliebten Ausflugslokals mit Ballsälen gingen 1943 auch alle Noten von Fetrás verloren, die dort nach seinem Tod gelagert waren.

HB
– Aufnahme mit dem Wiener Staatsopernorchester

Übrigens …
… gibt es vom Uhlenhorster Fährhaus zwei Mondscheinkarten, bei denen sich Himmel und Mond deutlich unterscheiden. Ein schönes Beispiel dafür, dass schon um 1900 munter an Fotos manipuliert wurde, ganz ohne Computer und KI.

Uhlenhorster Fährhaus AK oJ a
Uhlenhorster Fährhaus, Mondscheinkarte undatiert
Uhlenhorster Fährhaus AK 1898 a
Uhlenhorster Fährhaus, Mondscheinkarte 1898