Ruth war in den 1920er-Jahren ein beliebter Vorname. Auch Schlagertexter machten sich einen schnellen Reim darauf, siehe z. B. die 1921 erschienene Foxtrot-Ballade von Karel Hašler oder Ich steh’ mit Ruth gut von Robert Gilbert aus dem Jahre 1928.
Der Name Ruth scheint in den 1920er-Jahren nicht nur bei Schlagertextern begehrt gewesen zu sein. Wikipedia weiß dazu: Im Jahr 1921 stieg er in die Hitliste der 20 beliebtesten Mädchennamen auf und erreichte sieben Jahre später erstmals die Top-10.
1921 erschien die tschechische „Ruth“, eine Foxtrot-Ballade von Karel Hašler.
1922 besangen Arhtur Rebner und Leo Ascher ein Fellachenmädchen am Nil namens Ruth.
1928 schrieb Robert Gilbert den Schlagertext Ich steh mit Ruth gut.
Übrigens legten 1932 Will Meisel und Willy Rosen nach mit dem Rumba Ruth, tanze heut mit mir kubanisch! (1000 Takte Tanz, Bd. 7).
Bei dem vorliegenden Titel von 1922 ist nicht ganz klar, worauf der Autor Arthur Rebner hinaus will. Anscheinend möchte er eine tragische Geschichte erzählen. Aber mit dem Refrain gleitet das eher in tragische Reimkunst ab:
Ruth, in deinem Blut
ruht der Wüste Glut.
Giftige Schlangen sind deine Augen,
die mir alle Kraft, alle Leidenschaft aus den Adern saugen.
Ruth, du schwarze Ruth,
deiner Haare Flut,
sie schlägt in Flammen über dir zusammen,
mein Herz ist wund, seit mich geküßt dein Mund.
Das ist hart an der Grenze zu unfreiwilliger Komik. Dabei ist die Story höchst dramatisch angelegt und mit tödlichem Ausgang. Ein weißer Mann verliebt sich in Ruth vom Nil. Als er ihr ankündigt, dass er zurück in sein deutsches Städtchen (wörtlich !) gehen muss, folgt erst einmal der Refrain: Ruth, in deinem Blut ruht der Wüste Glut…
Es folgt in der zweiten Strophe das tragische Ende. Sie stürzt sich in den Nil. Aus dem weißen Mann macht Rebner nun einen bleichen Mann: „Nil entlang in seinem Wagen fährt ein bleicher Mann, das Herz so schwer und lacht nie mehr.“
Nach seinem großen Erfolg mit Salome (1920) verlegte Rebner seine Schlager-Geschichten immer wieder gerne in exotische Gefilde.
Das Titelblatt von Otto Dely, der viele Titelblätter für den Wiener Bohême-Verlag geliefert hat, zeigt eine dunkelhäutige Ruth, die den schweren Krug, von dem im Text die Rede ist, auf der rechten Schulter trägt: Nil entlang ging ein Fellachenmädchen und auf ihrem Haupt sie trug den schweren Krug.
Der Schlager von 1928 Ich steh‘ mit Ruth gut von Robert Gilbert ist dagegegen angenehm klar. Da wird gar nicht erst versucht, eine ernste Ebene anzusteuern, das sind kurze Reime ohne tiefen Hintersinn:
Ich steh‘ mit Ruth gut,
Ich weiß was gut tut,
Denn wer bei Ruth ruht,
Ja, der hat Glück.
PDF
– Notenblatt Seite 2 – Verlagswerbung mit Notenbeispielen und angedeuteten Titelblättern
– Notenblatt Seite 3 – Anfang Schlager, Noten Klavier und Gesang
– Rückseite Verlagswerbung mit Notenbeispielen und angedeuteten Titelblättern