Wilhelm Lindemann alias Fritze Bollmann landete 1927 mit dieser Trinker-Hymne seinen wohl populärsten und nachhaltigsten Hit. Höchst erfolgreich ist ein Schlager, wenn schon im Erscheinungsjahr eine halbe Million Notenausgaben verkauft werden. Dieses scheint hier gegeben zu sein, wenn man dem Aufdruck auf dem Titelblatt glaubt: Bereits über 500 000 Exemplare verbreitet. (1)
Als nachhaltig ist eine Komposition zu bezeichnen, wenn sie auch nach fast 100 Jahren immer noch ihre Wirkung entfaltet. Auf heutigen Karnevals-Veranstaltungen und in Bierzelten wird gerne zu den Klängen dieses Trinker-Liedes geschunkelt und dazu tönt es aus „vollen“ Kehlen Trink, trink, Brüderlein trink, lass doch die Sorgen zuhaus.
Was es mit dem Untertitel Das 11. Gebot Moses auf sich hat, wird in der 3. Strophe hergeleitet. Hier geht es nicht nur ums Trinken, sondern jetzt ist auch vom Saufen die Rede:
Der Moses, der hat, gar nicht übel,
ein elftes Gebot noch erdacht,
das steht aber nicht in der Bibel,
und hat so viel Freude gemacht.
Man hat es uns unterschlagen,
weil Trinken und Saufen es preist.
Ich aber, ich will es euch sagen,
Ja, wisst ihr denn auch wie es heißt?
Trink, trink, Brüderlein trink …
Das Titelblatt verzichtet auf Farbigkeit, es ist trotzdem auffällig und plakativ. Vermutlich handelt es sich bei dem Kopf um den Autor Lindemann, der hier mit einer Mütze einer studentischen Verbindung abgebildet ist. Da Lindemann nicht nur als Komponist und Texter von Schlagern, Märschen und Blasmusik tätig war, sondern auch durch seine Auftritte auf Varieté- und Kabarettbühnen dem Publikum von Angesicht her bekannt war, hatte sein Porträt eine gewisse Werbewirksamkeit.
Einen Eindruck von der Produktivität des vielseitigen Künstlers vermittelt die Rückseite des Notendrucks. Links die Abteilung mit Jazzmusik-Schlager, rechts die Dauer-Schlager und die Kino-Musik.
Ungewöhnlich ist, dass die Überschrift nicht auf der ersten Notenseite steht, sondern über beide Notenseiten läuft.

Es gibt noch eine andere Ausgabe des Titels Trink, trink, Brüderlein trink, die im Verlag Otto Maass (Universal-Edition) Wien-Leipzig mit der Verlagsnummer U. E. O. M. 1 erschienen ist.
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(1) Zusätzlich zu den vierseitigen Notenblättern wurde der Schlager auch über illustrierte Zeitschriften-Ausgaben verbreitet. Eine Illustrierte-Seite mit Klaviersatz und dem Text der ersten Strophe lag in einem Stapel alter Notenblätter in einem Antiquariat. Eine Quellenangabe ist nicht vermerkt (vermutlich aus dem Jahre 1928). Die Rückseite lässt auf eine Frauenzeitschrift schließen.
Der Titel ist auch in der Lieder- und Schlager-Sammlung Der Rhein im Lied als erstes Lied abgedruckt.
HB
Aufnahme mit Harry Steier
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– Noten
– Rückseite mit Verlagswerbung