Berlin, du schöne Kaiserstadt, o.J. [um 1880]

Kennt ihr die Stadt im märkischen Land
Musik von
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Quelle
eigene Notentitel-Sammlung
Herkunft Region

Zeitl. Einordnung

1800 – 1900
Rubriken

Infos/Beschreibung

Berlin die schöne Kaiserstadt Pianoforte Werbung 1
Berlin die schöne Kaiserstadt mit Werbung

Dieses Lied ist ein frühes Beispiel für eine umfassende Marketingstrategie eines Fabrikanten. Erschienen ist das undatierte Notenblatt vermutlich um 1880, als Kaiser Wilhelm I. schon ein betagter Greis jenseits der 80 war.

Mit diesem Lied schenkt ein Fabrikant dem Deutschen Volke ein Lied für Singstimme mit leichter Pianoforte-Begleitung. Das ist zunächst nichts Ungewöhnliches. Der dichtende und komponierende Fabrikant Th. Weidenslaufer ist Besitzer einer Pianoforte-Fabrik mit Sitz in Berlin, Dorotheenstr. 88 (Ecke Große Friedrichstraße). Unter gleicher Adresse residiert auch der Verlag der Pianoforte-Fabrik von Th. Weidenslaufer, in dem das Lied erschienen ist.

Die Ausgabe umfasst insgesamt sechs Seiten und ist eine Art Werbeprospekt. Auf der Titelseite findet sich ein Aufdruck, der das bestätigt: Nachdruck und Nachahmungen dieses Prospectes speciell im Zusammenhange mit Dichtungen u. Compositionen verfallen den Strafbestimmungen über den Schutz geistigen Eigenthums. Gesetzlich deponiert u, geschützt.

Auf das Titelblatt mit dem abgebildeten Weidenslaufer Pianino folgen die beiden Notenseiten, danach drei Seiten reine Werbung. Die Konkurrenz war groß, allein in Berlin wurden in den 1880er-Jahren über 100 Klavierbau-Unternehmen gegründet. Weidenslaufer nutzt die vierte Seite seiner Noten-Ausgabe, um Preise, Zahlungsbedingungen, Lieferbedingungen, Probezeiten und Rückgaberechte zu klären. Das einfache Cabinet-Pianino kostete 570 Mark, das teuerste Instrument war das Hohe-Concert-Pianino für 1230 Mark.

Auf Seite fünf sind ehrende Zeugnisse aus den Jahren 1875 bis 1880 zusammengestellt. Man erfährt, dass die Fabrik seit 1872 bestand und der Inhaber Ritter des Eisernen Kreuzes war. In den letzten beiden Jahren wurden 600 Pianinos versandt. Auf der Rückeite sind Urtheile der Presse abgedruckt.

Das Lied ist eine Hommage in sieben Strophen an die Stadt Berlin und an den deutschen Kaiser Wilhelm I. In der dritten Strophe reimt der Fabrikanten-Dichter zum Berliner Witz Folgendes:

Italiens Himmel, wie bekannt,
Wird als der schönste überall genannt,
Doch in der Weltstadt denken wir,
Dass blau auch unser Himmel leuchtet hier,
Ist er auch trübe manch Zeit,
Umzieht kein Flor sein Sternenkleid
Erheitert uns des Witzes Macht,
Die Stirn wird hell, die ganze Seele lacht,
Und wisset solchen Witz nur hat
Berlin, die lust´ge Kaiserstadt.

Die sechste Strophe ist dem greisen Kaiser Wilhelm I. gewidmet:

Ein Kleinod giebts in hehrer Pracht,
Gar wunderbar beschützt von Gottes Macht
Geliebt, verehrt in allen Gau´n,
Wo deutsche Eichen stolz zum Himmel schau´n;
Es ist der greise Kaiserheld,
Der unser Reich so hoch gestellt,
Ums Haupt den Lorbeer ruhmgekrönt,
Hat er das Reich gestärkt, geeint, versöhnt.
Er ist es, den am liebsten hat
Berlin, die deutsche Kaiserstadt.

PDF
Noten und Text der sieben Strophen