Bunte Tänze, zweiter Band, 1930

Sammlung niederdeutscher Volkstänze
bezeichnet als
Musik von
Text von
Titelblatt von
weitere Personen
Ort
Jahr
1930
Verlags-Nr.
9763
Druckerei
Anmerkungen

Infos/Kommentar

In der 1930 erschienenen 13. Auflage des zweiten Bandes der Reihe Bunte Tänze ist auch das Vorwort der Ausgabe von 1918 abgedruckt. Darin schreiben Anna Helms und ihr Ehemann Julius Blasche, dass es einen neuen Tanz, gesund und reichgestaltet noch zu schaffen gilt. Weiter heißt es dort:

Dazu muß in uns erst einmal unsere Heimat wieder wach geworden sein, unser niederdeutsches Volkstum sich geregt haben. Dann werden wir die Schönheit der Tänze erkennen, ebenso wie wir das stolze Wort der Rembrandtdeutschen verstehen lernen, daß eine neue deutsche Kultur aus niederdeutschem Geiste geboren wird. Schon einmal hat er sich fruchtbar erwiesen.

Damit beziehen sie sich auf die völkisch-antisemitische Schrift Rembrandt als Erzieher von Julius Langbehn, die die vor allem in Norddeutschland verbreitete Heimatkunstbewegung nachhaltig geprägt hat.

Buchdeckel und Bilder von Professor Arthur Illies, Hamburg, so steht es im Innentitel dieser Auflage. Das Titelblatt von Illies macht ein wenig ratlos. Es unterscheidet sich deutlich vom Titel des ersten Bandes, der 1924 für die 13. Auflage von Ernst Eitner entworfen wurde. Vergleicht man beide Titel, dann kann man kaum glauben, dass beide zu einer Reihe gehören. Die Titelseite von Illies lässt kaum erkennen, worum es in diesem Band geht, denn die Schrift ist kaum zu entziffern. Für einen Notenband, der verkauft werden soll, ist das ein Unding. Selbst wenn man ahnt, dass es um Tänze geht, dann wird man nicht etwa neugierig. Der Titel vermittelt keine positive Stimmung, er wirkt düster. Man könnte sogar sagen, er wirkt bedrohlich.

Der 1870 geborene Hamburger Arthur Illies galt zu Beginn seiner künstlerischen Laufbahn als großes Talent, als Maler und vor allem als Grafiker. Er gehörte zum Kreis der Hamburger Künstler, die durch den Kunsthallen-Direktor Alfred Lichtwark gefördert wurden. Zusammen mit mehreren Künstlern, darunter auch Ernst Eitner, war er 1897 an der Gründung des Hamburger Künstlerklubs maßgeblich beteiligt.

In den 1920er-Jahren war Illies mehrfach wegen antisemitischer Äußerungen aufgefallen. Folgerichtig setzte er sich schon früh für die Nationalsozialisten ein, in die NSDAP trat er im Mai 1933 ein. Er engagierte sich im Kampfbund für deutsche Kultur, den der Nazi-Ideologe Arthur Rosenberg ins Leben gerufen hatte. Das Verhältnis zu den Nationalsozialisten war ambivalent. Zum einen war Illies enttäuscht, weil einige seiner Arbeiten abgelehnt wurden, andererseits war er an großen Kunstausstellungen beteiligt. Er wurde auch mehrfach ausgezeichnet. Wenig bekannt ist, dass Illies 1939 in Worpswede neben Otto Modersohn und Fritz Mackensen mit dem Niederdeutschen Kunstpreis ausgezeichnet wurde.

Mehr zu der Volkstanzsammlung unter Liederbücher.

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