Der kleine Rekrut, 19. Jh.

Wer will unter die Soldaten, der muß haben ein Gewehr
bearbeitet von
Quelle
Sang und Klang, 1909
Herkunft Region

Zeitl. Einordnung

1800 – 1900
Rubriken
Personen

Infos/Beschreibung

Wer will unter die Soldaten,
der muß haben ein Gewehr,
das muß er mit Pulver laden
und mit einer Kugel schwer.
   Büblein, wirst du ein Rekrut,
   merk dir dieses Liedlein gut.
   Pferdchen munter, immer munter
   lauf Galopp, hopp, hop, hopp.

Der muß an der rechten Seiten
einen scharfen Säbel han,
daß er, wenn die Feinde streiten,
schießen und auch fechten kann.
Büblein, wirst du ein Rekrut …

Einen Gaul zum Galoppieren,
und von Silber auch zwei Sporn,
Zaum und Zügel zum Regieren,
wenn er Sprünge macht im Zorn.
   Büblein, wirst du ein Rekrut …

Einen Schnurrbart an der Nasen,
auf dem Kopfe einen Helm.
Sonst, wenn die Trompeter blasen,
ist er nur ein armer Schelm.
   Büblein, wirst du ein Rekrut …

Und ein Herze muß ihm sitzen
tapfer auf dem rechten Fleck,
daß er, wenn Kanonen blitzen,
nicht von dannen läuft vor Schreck.
   Büblein, wirst du ein Rekrut …

Doch vor allem muß Courage
haben jeder, jeder Held.
Sonst erreicht ihn die Blamage,
zieht er ohne sie ins Feld
   Büblein, wirst du ein Rekrut …

Dichter und Komponist dieses Liedes hießen beide – nomen est omen – mit Vornamen Friedrich Wilhelm. Der Komponist Friedrich Wilhelm Kücken (1810-1882) schrieb zahlreiche Lieder, darunter das noch heute bekannte Ach wie ist´s möglich dann. Der Lehrer Friedrich Wilhelm Güll (1812-1879) war auf Texte für Kinderlieder spezialisiert. Beide sind typische Repräsentanten für das Liedschaffen im 19. Jahrhundert. Ihre Sicht auf Militär und Soldaten im Kaiserreich wird in einer ihrer bekanntesten Lieder deutlich. Der kleine Rekrut gehörte noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts zum festen Repertoire von Kinderlieder-Sammlungen und Schul-Liederbüchern.

Die Vorbereitung aufs Soldatsein und die Verherrlichung des Militärs wurden im Kaiserreich intensiv bereits im Kindesalter betrieben, z. B. mit Bildern, Spielzeug, Geschichten, Reimen und auch Liedern. Marschieren und Exerzieren wurde als Spiel begriffen. Mit dem Lied vom kleinen Rekrut funktionierte das besonders gut.

Der Grafiker Paul Hey hat das Lied mehrfach illustriert. Auf dieser Liederbuchseite ist einiges an Beiwerk  (Trommel, Gewehr, Steckenpferd, Degen, Trompete, Pickelhaube) zu sehen, das man beim kindlichen Exerzieren braucht.

Eine andere Illustration von Hey zeigt das Kinderspiel noch deutlicher: Kinder mit Trommel und Trompete vor den Toren eines idyllischen Dorfes, die exerzierende Soldaten spielen. Der Feldwebel mit Pickelhaube reitet auf einem Steckenpferd.

HB
Eine eigene, etwas andere Fassung des Liedes Wer will unter die Soldaten lieferte die bayerischen Volksmusikanten Biermösl Blosn Anfang der 80er-Jahre auf dem Album Grüß Gott mein Bayernland.