Büxensteinlied, 1919

Im Januar um Mitternacht, ein Spartakist stand auf der Wacht
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Soldaten singen, VEB Lied der Zeit
Herkunft Region

Zeitl. Einordnung

1918 – 1933
Aspekte
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Das Büxensteinlied greift die Melodie des populären Soldatenliedes Argonnerwald, um Mitternacht aus dem Ersten Weltkrieg auf. Richard Schulz, ein 20-jähriger Schlosser, schrieb den Text nach den Januarkämpfen 1919 im Berliner Zeitungsviertel.

Einer der Auslöser der Januarkämpfe in Berlin (auch als Spartakistenaufstand bezeichnet) war die Entlassung des Polizeipräsidenten Emil Eichhorn. Daraufhin besetzten Arbeiter mehrere Verlage (u.a. die Gebäude des sozialdemokratischen Vorwärts, die Verlage Scherl, Mosse und Ullstein und die Druckerei Büxenstein). Es kam zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen Spartakisten und den Regierungstruppen von Noske.

Schulz, der später für das kommunistische Parteiorgan Rote Fahne gearbeitet hat, spornt mit seinem Text die Spartakisten an, heldenhaft weiterzukämpfen:

1. Im Januar um Mitternacht,
ein Kommunist stand auf der Wacht.
Er stand mit Stolz, er stand mit Recht,
stand kämpfend gegen ein Tyranngeschlecht.

2. Und donnernd brüllt die Artillerie,
Spartakus hat nur Infantrie.
Granaten schlagen bei uns ein:
Regierungstruppen [die Noskehunde] stürmen Büxenstein.

3. Und mit der Knarre in der Hand
er hinterm Zeitungsballen stand.
Die Kugeln pfeifen um ihn rum;
der Kommunist, er kümmert sich nicht drum.

4. O Büxenstein, o Büxenstein,
Spartakus sein heißt Kämpfer sein!
Wir haben gekämpft bei Büxenstein,
und dafür sperrt man uns im Kerker [ins Zuchthaus] ein!

5. Gefangen, ach, in Weh und Schmerz,
und dennoch hoffet unser Herz!
Spartakus lebt! Spartakus siegt!
Frisch auf zum Kampf, Genoss’, verzage nicht!

6. Warum er kämpft, der Kommunist? [Und wofür kämpft der Spartakist?]
Damit ihr’s alle, alle wisst:
Er kämpft für Freiheit und für Recht,
nicht länger sei der Arbeitsmann ein Knecht!

7. Und alle Menschen, arm und reich,
sie wollen werden alle gleich;
daß niemand leidet ferner Not,
Und jeder hat genügend täglich Brot.

8. Darum nur kämpft der Kommunist,
damit ihr’s alle, alle wisst!
Er schwur die Treu’ bis in den Tod
dem schönen Freiheitsbanner purpurrot.

9. O Spree-Athen, o Spree-Athen,
Viel Blut, viel Blut hast du gesehn!
In
[Auf] deinem Friedrichsfelde ruht
So manches tapfere Spartakusblut.

Büxenstein Abb aus Steinitz II 479
Postkarte, Abb. aus Steinitz II, S. 479.

Das Büxensteinlied wurde zunächst mündlich verbreitet, aber schon zu Beginn der 1920er-Jahre in mehrere Liederbücher aufgenommen – sogar in Österreich (siehe W. Steinitz, Deutsche Volkslieder demokratischen Charakters aus sechs Jahrhunderten, Band 2, Berlin 1962, S. 472 ff.).

Zum Büxensteinlied findet sich bei Steinitz die Abbildung einer Postkarte. Die Bildunterschrift lautet:

Barrikaden aus Papierrollen im Januar 1919 vor dem Verlagshaus
Rudolf Mosse, Berlin, Schützenstraße; Postkarte

„Und mit der Knarre in der Hand
er hinterm Zeitungsballen stand“

Das Büxensteinlied lebte in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts in DDR-Liederbüchern fort. Im Soldatenliederbuch der Nationalen Volksarmee (Soldaten singen, 1. Auflage 1957) sind aus neun Strophen sieben geworden, die Reihenfolge ist umgestellt. Es existieren mehrere Chorfassungen, u. a. aus Brüder am Werk, Bd. 2, S. 24. Auch in der BRD wurde das Lied in linke Liedersammlungen aufgenommen (vgl. Lieder gegen den Tritt, Oberhausen 1972, S. 212).

Zum Chorsatz von Siegfried Stolte (DDR, 1959)

Audio/Video
– Das Büxensteinlied mit dem Musikcorps des Wachregiments Berlin, unterlegt mit Szenen aus dem DEFA-Film Ernst Thälmann – Sohn seiner Klasse.
Jo Hetscher mit dem Büxensteinlied auf einer Gedenkveranstaltung der Linken in Münster.