Friedenshymne, 1951

Seid gegrüßt! Laßt euch empfangen von des Friedens Melodien!
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Neues Volksliederbuch für gemischten Chor
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Zeitl. Einordnung

1950-1960
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Friedenshymne Anmerkung Neue Volkslieder S 609
Anmerkungen zur „Friedenshymne“

Der Chor aus Beethovens Choral-Fantasie (1808) hat ebenso wie der Schlusschor aus der Neunten Sinfonie die besten Voraussetzungen für eine wirkungsvolle Hymne: klarer formaler Aufbau, jeweils 16 Takte (ohne Wiederholungen), der Text ist fast ausschließlich syllabisch vertont, die Melodie schreitet weitgehend in Sekundschritten voran, die Harmonik ist schlicht und einfach. Beide Chorsätze sind Teil größerer Werke.

Beethoven soll mit dem Text von Christoph Kuttner, einem Wiener Redakteur und k.u.k. Hofkriegsrat, nicht sehr zufrieden gewesen sein.

Schmeichelnd hold und lieblich klingen
unsers Lebens Harmonien,
und dem Schönheitssinn entschwingen
Blumen sich, die ewig blüh’n.

Fried und Freude gleiten freundlich
wie der Wellen Wechselspiel;
was sich drängte rauh und feindlich,
ordnet sich zu Hochgefühl.

Wenn der Töne Zauber walten
und des Wortes Weihe spricht,
muss sich Herrliches gestalten,
Nacht und Stürme werden Licht,

äuß’re Ruhe, inn’re Wonne,
herrschen für den Glücklichen
Doch der Künste Frühlingssonne
lässt aus beiden Licht entsteh’n.

Großes, das ins Herz gedrungen,
blüht dann neu und schön empor,
hat ein Geist sich aufgeschwungen,
hallt ihm stets ein Geisterchor.

Nehmt denn hin, ihr schönen Seelen,
froh die Gaben schöner Kunst.
Wenn sich Lieb und Kraft vermählen,
lohnt dem Menschen Göttergunst.

1951 erhielt der Dichter der DDR-Hymne, Johannes R. Becher, von der Freien Deutschen Jugend den Auftrag, eine Friedenshymne auf die Melodie der Chorfantasie von Beethoven zu schreiben, die 1952 zum 125. Todestag von Beethoven aufgeführt werden sollte. Der neue Text der Friedenshymne von Becher lautet:

Seid gegrüßt! Laßt euch empfangen
von des Friedens Melodien!
Unser Herz ist noch voll Bangen,
Wolken dicht am Himmel ziehn.

Aber neue Lieder tönen,
und der Jugend Glanz und Spiel
zeugt vom Wahren und vom Schönen
ordnet sich zu hohem Ziel.

Wo sich Völker frei entfalten
und des Friedens Stimme spricht,
muß sich Herrliches gestalten
Nacht und Träume werden Licht,

Leben wird zu Lust und Wonne,
wird zu aller Wohlergehen,
und der Künste Frühlingssonne
läßt die Welt uns neu erstehn.

Großes, das uns je gelungen,
blüht im neuen Glanz empor,
„Friede, Friede ist errungen“,
jubelt laut der Menschheit Chor.

Nehmt denn hin, ihr lieben Freunde,
froh die Gaben schöner Kunst.
Wenn sich Geist und Kraft vereinen,
winkt uns ew´gen Friedens Gunst.

Die Becher-Friedenshymne wurde auch von westdeutschen Verlagen angeboten.

Wenig bekannt ist, dass es einen weiteren Text zum Schlußchor aus der Chorfantasie vom ehemaligen Bundestagspräsidenten Norbert Lammert gibt. In der Lammert-Fassung steht der Europa-Gedanke im Mittelpunkt.

Für Europa lasst uns streiten
Mit Verstand und Mut zur Tat,
Um den Fortschritt zu begleiten,
Der noch nicht begriffen hat,

Was wir können, was wir sollen,
Unter Nachbarn, alle gleich,
Die in Eintracht leben wollen,
Frei und froh, durch Vielfalt reich.

Fest verwurzelt in Regionen,
Stolz auf Sprachen und Kultur,
Achten wir die Nationen
Und bewundern sie nicht nur.

Lasst Vernunft den Stolz besiegen,
überzeugt und mit Bedacht
Nach so vielen großen Kriegen
Frieden endlich nun gemacht.

Traut dem Frieden, Europäer,
Schätzt und schützt ihn allezeit,
Glaubt den Aufgeklärten eher,
Als den Gegnern weit und breit.

Denn es gibt noch die Dämonen,
Die in manchen Köpfen sind,
Und den Kontinent bedrohen,
Wenn die Klugheit nicht gewinnt.

Einigkeit und Recht und Freiheit
Nicht nur für e i n Vaterland,
Sondern in gelebter Gleichheit
Jedem Menschen, jedem Stand.

Nichts währt ewig. Ohne Eifer
Gibt es auch Europa nie.
Doch vielleicht sind wir nun reifer:
Freiheit durch Demokratie!

HB
– Beethoven, Finale der Choralfantasie, c-Moll für Klavier, Chor und Orchester, Daniel Barenboim, Chor der Staatsoper Berlin und Berliner Philharmoniker.
– Von der Friedenshymne von Becher scheint es keine frei zugängliche Aufnahme zu geben.