1897 brachte der Deutschnationale Handlungsgehilfen-Verband, eine Standesorganisation der kaufmännischen Angestellten, sein erstes Verbands-Liederbuch heraus.
Einen breiten Raum nehmen mit Recht die vaterländischen Gesänge ein – diese herrlichen Schöpfungen der Edelsten des deutschen Volkes. Keine Zusammenkunft deutschnationaler Handlungsgehilfen sollte hingehen ohne Gesang wenigstens e i n e s dieser Lieder. (Vorwort von Wilhelm Schack zur ersten Auflage, 1897)
Über das deutsche Volkslied, das sich dem Vaterlandssang würdig einreiht, heißt es ebenda: Möge es seinen Platz wenigstens in den Herzen deutschnationaler Handlungsgehilfen behaupten und sich dort nicht verdrängen lassen! Wie ein züchtiges Mädchen aus dem Volke, mit neckischen Grübchen in den frischen Wangen, tritt es uns anmutig und anspruchslos entgegen und steht doch unendlich viel höher als der ruppige Kerl mit der Ballonmütze – der Gassenhauer, der sich leider auch in den Zusammenkünften unserer Standesgenossen breit zu machen sucht, in der Regel gefolgt von einem häßlichen nackten Weibe – der Zote. Für diese ist in deutschnationalen Zusammenkünften kein Platz (…).
Zum zwanzigjährigen Jubiläum des Handelgehilfen-Verbandes im Jahre 1912 erschien bereits die 18. Auflage des Liederbuchs. Im Vorwort wird von dem DHV-Vorsteher Hans Bechly auf die Erweiterung des Bandes bei gleichbleibendem Preis hingewiesen und auf die Aufnahme von Schelmen- und Soldatenliedern. Bechly geht auch auf die Bewegung zum Wandern ein:
Seit einigen Jahren geht durch alle deutschen Gaue der Ruf: Die alte deutsche Wanderlust muß wieder Gemeingut der Nation werden! Unter den Handlungsgehilfen haben die Deutschnationalen diesen Ruf zuerst vernommen. (…) so haben sie durch Schaffung eines Bundes der Wanderpflege – „Die fahrenden Gesellen“ – ihren Mitstreitern den Weg gewiesen …

Die hier vorliegende 20. Auflage kam im dritten Jahr nach Kriegsende heraus. Bechly redet im Vorwort von des deutschen Volkes Erhebung, des deutschen Volkes Niederbruch und von Schmach und Not. (…) Es geht um die deutsche Seele und mit ihr um die Weltseele überhaupt. (…) Eine so echt deutsche Bewegung, wie die deutschnationale Handlungsgehilfenbewegung, braucht mehr wie je gerade in dieser Zeit ihr Liederbuch.
Bechly versteht die Lieder in der Sammlung als Trutz- und Kampflied gegen die Feinde deutscher Art. Der Kernsatz ist durch gesperrten Druck hervorgehoben: Gesinnung ist alles!
Der 18. Januar 1921 als Erscheinungstag dieser Auflage ist bewusst gewählt. Bechly verweist auf den sogenannten Reichsgründungstag vor genau 50 Jahren, als Wilhelm I. in Versailles zum Kaiser gekrönt worden war.
Der Deutschnationale Handlungsgehilfen-Verband (nicht zu verwechseln mit dem Verband deutscher Handlungsgehilfen) vertrat offen frauenfeindliche Positionen. Frauen konnten nicht Mitglied im Verband werden. Man sprach sich ausdrücklich gegen Erwerbsarbeit von Frauen aus, weil man sich durch sie bedroht fühlte. Ebenso von der Mitgliedschaft ausgeschlossen waren Juden. Schon vor dem Ersten Weltkrieg wurden antisemitische Positionen vertreten und judenfeindliche Organisationen finanziell unterstützt. In der Weimarer Zeit stand der Verband der DNVP nahe. 1933, nach der Zerschlagung der Gewerkschaften, ging der Handlungsgehilfen-Verband nahtlos in die Deutsche Arbeitsfront über.

Das Inhaltsverzeichnis am Ende des Liederbuchs unterscheidet folgende Liedgruppen:
In dem mir vorliegenden Exemplar sind die acht unbedruckten Seiten am Ende des Liederbuchs handschriftlich eng mit Texten von Löns-Liedern beschrieben. Ob die Eintragungen von Clara Rode aus Hamburg Blankenese stammen, deren Stempel sich auf dem Innentitel befindet, bleibt ein Geheimnis.
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– Titelei
– Vorwort zur 1., 18. und 20. Auflage
– Beispielseiten
– Inhaltsverzeichnis
– Werbung für die Klavierausgabe