Das Kleine Kommersbuch ist auch wirklich sehr klein, es misst nur 9 x 12,5 cm. Auf 227 Seiten sind 206 Liedtexte untergebracht.

Das Vorwort ist in Gedichtform geschrieben.
Sitzen Musensöhne trinkend
Unter breiten Lindenbäumen,
Lieder summend, hauswärts winkend, –
Darf die Wirtin nicht mehr säumen;
Denn sie kennt die alten Weisen
Und die neuen, kaum erklungen;
Läßt sie nach Gefallen kreisen –
Spielt, und jubelnd wird gesungen.
Was sie spielt, ist allwillkommen,
kann die Weltfahrt jetzt beginnen.
Büchlein, sei gut aufgenommen,
Sollst die Herzen dir gewinnen!
Prof. Dr. Kamp
Die Wirtin, auf die hier angespielt wird, ist die „Lindenwirtin“ Aennchen Schumacher (1860-1935), die eine Gastwirtschaft in Godesberg betrieb, die vor allem von Studenten aufgesucht wurde. Aennchen Schumacher war eine eifrige Sammlerin von studentischen Liedern, auf ihrer Sammlung basiert auch dieses Liederbüchlein. Ein Denkmal setzte ihr Rudolf Baumbach mit einem Gedicht, das zu einem der bekanntesten Studentenlieder wurde. Das Lied über die Die Lindenwirtin beginnt mit den Worten: Keinen Tropfen mehr im Becher und der Beutel schlaff und leer.
Siehe auch Lindenwirtin-Lied Nach Godesberg!
In dem Kleinen Kommersbuch drehen sich die Texte immer wieder ums Trinken, wobei Wasser dabei eine untergeordnete Rolle spielt. Die fröhlichen Zecher sind Wein und Bier zugetan.
Wenn ich hier feststelle, dass es über das Milchtrinken in dem Kleinen Kommersbuch kein einziges Lied gibt, dann hat das folgenden Grund:
Der Herausgeber und Vorwortdichter Prof. Dr. Otto Kamp (1850-1922), ein Lehrer und Dichter, war ein sozialpolitisch engagierter Mensch, der sich schon früh u.a. für bessere Bildungsmöglichkeiten von Frauen einsetzte. Er war auch ein vehementer Kämpfer gegen das Trinken von Alkohol. Als Gründer einer Gemeinnützigen Gesellschaft für Milchausschank und der Deutschen Gesellschaft für gemeinnützigen Milchausschank in Bonn setzte er sich mit Nachdruck dafür ein, überall Milchhäuschen zu errichten, um die arbeitende Bevölkerung vor den schädlichen Folgen des Alkoholkonsums zu schützen.
Mit diesen Zielen ist die Herausgabe eines Liederbuchs schwerlich in Einklang zu bringen, in dem das Trinken von Alkohol regelrecht propagiert wird. Ob Professor Kamp selbst auch mal gerne ein Gläschen Wein getrunken hat, ist mir nicht bekannt.
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