
1935 gründete Franz Lehár einen eigenen Musikverlag, um seine Werke optimal vermarkten zu können. Das vorliegende 2. Heft zur Operette Der Zarewitsch ist 1935 in Lehárs Wiener Glocken-Verlag erschienen, es hat die niedrige Nummer G.V. 10. Uraufgeführt wurde Der Zarewitsch im Jahre 1927 in Berlin am Deutschen Künstlertheater.
Das Titelblatt, das für zahlreiche spätere Ausgaben genutzt wurde, hatte Willy Herzig sogar schon 1926 entworfen. Es zeigt einen weitgehend vermummten Zarensohn, von dem man nur Nase und Mund erkennt. Er trägt einen kriegerisch wirkenden Helm mit Vogel (Doppeladler?). Seine Geliebte, die junge Tänzerin Sonja, schmachtet ihn von unten mit geschlossenen Augen an. Für das russische Kolorit sorgen im Hintergrund die drei Zwiebeltürme einer orthodoxen Kirche.
War bei Lortzing Zar Peter der Große als Zimmermann und Opernheld unterwegs, so kommt bei Lehár Peters Sohn als Zarewitsch und Operettenstar zum Einsatz. Die Story, die auf ein Theaterstück der polnischen Dichterin Gabriela Zapolska zurückgeht, beginnt am Zarenpalast in St. Petersburg und endet im dritten Akt in Neapel. Denn dorthin hatte sich das ungleiche Paar geflüchtet, um ungeachtet des Standesunterschieds zusammen sein zu können. Doch als Boten aus Russland die Nachricht vom Tod des Zaren bringen, trennt sich das Paar und der junge Thronfolger stellt sich der Pflicht und wird Zar.
Die Story und die Librettisten Bela Jenbach und Heinz Reichert wurden von der Presse nach der Uraufführung heftig kritisiert, was aber nichts am Erfolg einzelner Nummern der Operette änderte. Besonders das von Tauber gesungene Wolgalied entwickelte sich regelrecht zu einem Operettenschlager. Es ist schwer, musikalische Aspekte für die Popularität anzuführen, denn nur die Anrufung der höchsten Instanz am Ende ist wirklich einprägsam:
Hast du dort oben vergessen auf mich?
Es sehnt doch mein Herz auch nach Liebe sich …
Zur Popularität hat sicher der Startenor Tauber und die Verbreitung auf Schallplatte und der Rundfunk beigetragen.
Allein! wieder allein!
Einsam wie immer.
Vorüber rauscht die Jugendzeit
In langer, banger Einsamkeit.
Mein Herz ist schwer und trüb mein Sinn,
Ich sitz’ im gold’nen Käfig drin.
Es steht ein Soldat am Wolgastrand,
Hält Wache für sein Vaterland.
In dunkler Nacht allein und fern
Es leuchtet ihm kein Mond, kein Stern!
Regungslos die Steppe schweigt,
Eine Träne ihm ins Auge steigt:
Und er fühlt, wie’s im Herzen frißt und nagt,
Wenn ein Mensch verlassen ist, und er klagt,
Und er fragt:
Hast du dort oben vergessen auf mich?
Es sehnt doch mein Herz auch nach Liebe sich.
Du hast im Himmel viel Engel bei dir!
Schick doch einen davon auch zu mir.
Neben dem Wolgalied sind in dem Heft noch folgende Titel enthalten:
Auf dem Titelblatt befindet sich ein Stempel von Musik.Hampe, Hannover.
Übrigens …
… gibt es noch ein anderes populäres Wolgalied, das auch unter dem Titel Wer das Scheiden hat erfunden oder Stenka Rasin bekannt ist
HB
Aufnahme Wolgalied mit Richard Tauber
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