Die Parade der Zinnsoldaten, 1905 [1911]

op. 123, deutsche Ausgabe
bezeichnet als
Musik von
Text von
Titelblatt von
weitere Personen
Ort
Jahr
1911
Verlags-Nr.
H.V. 9249
Anmerkungen
Salonmusik – ein Foxtrot-Marsch als Charakterstück mit Opuszahl / Umfang 8 Seiten, davon drei Werbung

Infos/Kommentar

Der Marsch Die Parade der Zinnsoldaten ist einer der ganz großen Hits der Salonmusik, 1897 komponiert von Léon Jessel, aber erst 1905 als Opus 123 veröffentlicht. Ab diesem Zeitpunkt begann für Jessel eine steile Karriere als Kapellmeister und Komponist. Von seinen zahlreichen Operetten war Das Schwarzwaldmädel ein absoluter Bestseller.

Jessel hatte sich schon als junger Mann vom jüdischen Glauben abgewandt und war zum Christentum konvertiert. Seine politische Einstellung war deutschnational. Er bewarb sich nach Hitlers Machtübernahme vergeblich um die Aufnahme in den antisemitischen Kampfbund für deutsche Kultur des NS-Ideologen Alfred Rosenberg. Es dauerte einige Zeit, bis Jessel dämmerte, welche Bedrohung von den Nationalsozialisten ausging. In einem Brief an seinen Librettisten Wilhelm Sterk sprach er von der Gefahr für das Volk durch die Judenhetze. Der Brief wurde ihm zum Verhängnis, als dieser den Nazis bei einer Hausdurchsuchung in die Hände fiel. Jessel wurde verhaftet und von der Gestapo schwer misshandelt. Er starb 1942 an den Folgen der Misshandlungen. (1)

Der Librettist Sterk, der auch viele Schlagertexte geschrieben hatte, wurde 1944 in Auschwitz ermordet.

Die deutsche und die holländische Ausgabe unterscheiden sich durch die Gestaltung des Titelblattes. Auf der einen Seite die kräftigen Farben der Ausgabe aus dem Heinrichhofen’s Verlag, auf der anderen Seite das etwas blass wirkende Cover mit der Karikatur von Kuhn. Auch in der Bezeichnung des Titels unterscheiden sich die Ausgaben.

In der holländischen Fassung ist von einem Foxtrot und Marsch die Rede, in der hier vorliegenden deutschen Ausgabe handelt es sich um ein Charakterstück. Auf S. 2 wird in der Verlagswerbung auf ein weiteres Charakterstück von Jessel hingewiesen, dem Siciliano. Auf der Rückseite wird eine Auswahl beliebter Salonkompositionen aus dem Heinrichhofen’s Verlag angeboten, insgesamt 10 Nummern mit Anfangstakten.

Übrigens …
… gab es das „Deppenapostroph“ bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts, siehe Heinrichhofen´s Verlag.
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(1) Vgl. auch Dümling, Albrecht: Die verweigerte Heimat: Léon Jessel – der Komponist des „Schwarzwaldmädel“, Düsseldorf 1992

PDF
Notenblatt gesamt, Verlagswerbung auf den Seiten 2, 3 und der Rückseite