Gebet während der Schlacht, 1813

Vater, ich rufe dich!
Text von
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Quelle
Deutschlands Liederschatz, 1925
Herkunft Region

Zeitl. Einordnung

1800 – 1900
Personen

Infos/Beschreibung

Begeistert zogen junge Männer in den Krieg gegen Napoleon. So auch der 21jährige Carl Theodor Körner, der sich 1813 dem kurz zuvor gegründeten Lützowschen Freikorps angeschlossen hatte. In dieser Zeit schrieb er das Gebet während der Schlacht.

Vater, ich rufe dich!
Brüllend umwölkt mich der Dampf der Geschütze,
Sprühend umzucken mich rasselnde Blitze.
Lenker der Schlachten, ich rufe dich!
Vater du, führe mich!

Vater du, führe mich!
Führ‘ mich zum Sieg, führ‘ mich zum Tode:
Herr, ich erkenne deine Gebote;
Herr, wie du willst, so führe mich!
Gott, ich erkenne dich!

Gott, ich erkenne dich!
So im herbstlichen Rauschen der Blätter
Als im Schlachtendonnerwetter,
Urquell der Gnade, erkenn‘ ich dich.
Vater du, segne mich!

Vater du, segne mich!
In deine Hand befehl‘ ich mein Leben,
Du kannst es nehmen, du hast es gegeben;
Zum Leben, zum Sterben segne mich!
Vater, ich preise dich!

Vater, ich preise dich!
’s ist ja kein Kampf für die Güter der Erde:
Das Heiligste schützen wir mit dem Schwerte.
Drum, fallend und siegend, preis‘ ich dich.
Gott, dir ergeb‘ ich mich!

Gott, dir ergeb‘ ich mich!
Wenn mich die Donner des Todes begrüßen,
Wenn meine Adern geöffnet fließen –
Dir, mein Gott, dir ergeb‘ ich mich!
Vater, ich rufe dich!

Noch im selben Jahr fiel Theodor Körner am 26. August bei einem Gefecht in der Nähe von Gadebusch, einen Monat vor seinem 22. Geburtstag.

Vertont wurde das Körner-Gedicht von Friedrich Heinrich Himmel, der im Juni 1814 in Berlin verstorben ist. Somit konnte er auch nicht mehr miterleben, wie Napoleon 1815 sein Waterloo erlebte.

Das Gebet während der Schlacht wurde im 19. Jahrhundert in vielen Liedersammlungen als vaterländisches Lied verbreitet. 1855 erschien eine Einzelausgabe in Mainz bei Schott.

Die hier vorliegende Fassung für Gesang mit Klavierbegleitung stammt von 1925 aus der Arnoldis Edition Nr. 51 Deutschlands Liederschatz, S. 66/67.

Siehe auch Fassung für Männerchor.

Während des Ersten Weltkriegs wurden das Lied oder einzelne Strophen des Liedes massenweise als Ansichtskarten verbreitet. Es gab eine Vater ich rufe dich!-Serie mit Illustrationen von verwundeten und toten Soldaten.

Übrigens …
… hat auch Franz Schubert das Körner-Gedicht vertont. Als 18-Jähriger schrieb er sein Lied im März 1815, also noch kurz vor der Schlacht bei Waterloo (Juni 1815).

HB
Gebet vor der Schlacht (Vater, ich rufe Dich), frühe Aufnahme mit dem Nebe-Männer-Quartett
– Schubert-Lied Gebet während der Schlacht mit Florian Boesch und Burkhard Kehring