Die Moorsoldaten, 1933

Wohin auch das Auge blicket
Musik von
bearbeitet von
Quelle
Lieder aus den faschistischen Konzentrationslagern
Herkunft Region

Zeitl. Einordnung

1933 – 1945
Personen

Infos/Beschreibung

Moorsoldaten Originalfassung
Die Moorsoldaten, Originalfassung

Antifaschistische Widerstandshymne –
Die Moorsoldaten

1. Wohin auch das Auge blicket
Moor und Heide nur ringsum.
Vogelsang uns nicht erquicket
Eichen stehen kahl und krumm.
     Wir sind die Moorsoldaten
     Und ziehen mit dem Spaten
     Ins Moor.

2. Hier in dieser öden Heide
Ist das Lager aufgebaut.
Wo wir fern von jeder Freude
Hinter Stacheldraht verstaut.
     Wir sind die Moorsoldaten …

3. Morgens ziehen die Kolonnen
Durch das Moor zur Arbeit hin.
Graben bei dem Brand der Sonne,
Doch zur Heimat steht der Sinn.
     Wir sind die Moorsoldaten…

Moorsoldaten Eisler Melodie
Die Moorsoldaten, Eisler Melodie

4. Auf und nieder geh’n die Posten.
Keiner, keiner kann hindurch.
Flucht wird nur das Leben kosten,
Vierfach ist umzäunt die Burg
     Wir sind die Moorsoldaten …

5. Doch für uns gibt es kein Klagen.
Ewig kann nicht Winter sein!
Einmal werden froh wir sagen:
Heimat du bist wieder mein!
     Dann zieh’n die Moorsoldaten
     Nicht mehr mit dem Spaten
     Ins Moor.

Die Emslandlager waren die ersten Konzentrationslager, die bereits im Sommer 1933 von den neuen Machthabern errichtet wurden. Im Lager Börgermoor wurden vor allem politische Häftlinge interniert, die bei der Urbarmachung von Moorflächen körperliche Schwerstarbeit leisten mussten.

Die Geschichte des Moorsoldaten-Liedes ist umfangreich dokumentiert und Gegenstand von vielen Artikeln und Abhandlungen. Es liegen auch zahlreiche mündliche und schriftliche Äußerungen von Häftlingen aus den Lagern vor, darunter auch von den drei Autoren. (1)

 

 

Der Text von Johann Esser und Wolfgang Langhoff  wurde für eine Veranstaltung des „Zirkus Konzentrazani“ geschrieben, Rudi Goguel schrieb die Melodie und setzte sie für vierstimmigen Männerchor. Über die Uraufführung des Liedes 1933 schreibt Wolfgang Langhoff zwei Jahre später in seinem Buch „Die Moorsoldaten“:

Die sechzehn Sänger, vorwiegend Mitglieder des Solinger Arbeitergesangvereins, marschierten in ihren grünen Polizeiuniformen (unsere damalige Häftlingskleidung) mit geschultertem Spaten in die Arena […].  Wir sangen, und bereits bei der zweiten Strophe begannen die fast 1000 gefangenen den Refrain mitzusummen. Von Strophe zu Strophe steigerte sich der Refrain, und bei der letzten Strophe sangen auch die SS-Leute, offenbar, weil sie sich selbst als „Moorsoldaten“ angesprochen fühlten. Bei den Worten „Dann ziehn die Moorsoldaten nicht mehr mit dem Spaten ins Moor“ stießen die 16 Sänger die Spaten in den Sand und marschierten aus der Arena, die Spaten zurücklassend, die nun in der Moorerde steckend, als Grabkreuze wirkten.

Das Moorsoldaten-Lied ist das bekannteste aller Lagerlieder aus den Konzentrationslagern. Durch entlassene und in andere Lager verlegte Gefangene verbreitete sich das Lied sehr schnell. International bekannt wurde es durch ausländische Rundfunkanstalten. Heute liegen weltweit mehr als 500 Einspielungen auf Tonträgern vor, was für ein ursprüngliches Lagerlied absolut außergewöhnlich ist. Das Moorsoldatenlied war 1933 das erste Lagerlied aus einem deutschen Konzentrationslager und wurde zur Hymne des antifaschistischen Widerstands. (2)
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(1) Die drei Autoren haben das Lager überlebt. Nach 1945 gingen sie unterschiedliche Wege. Langhoff (1901-1966) machte in der DDR Karriere als Theatermann, von 1946 -1963 als Leiter des Deutschen Theaters in Berlin.
Esser (1896-1971) lebte nach dem Krieg im Westen und sagte sich vom Stalinismus los.
Goguel  (1908-1976) kandidierte bei der Bundestagswahl 1949 für die KPD, 1952 siedelte er nach Ostberlin über.
(2) Allerdings hat sich nicht die Original-Melodie durchgesetzt, sondern die Bearbeitung durch den Komponisten Hanns Eisler.

Siehe auch Artikel von Joachim Göres im Weser-Kurier v. 28.8.2023, Widerstand mit Noten. Vor 90 Jahren sangen Häftlinge des KZ Börgermoor im Emsland erstmals das Moorsoldatenlied.

PDF
Auszug aus dem Buch Lieder aus den faschistischen Konzentrationslagern zum Moorsoldatenlied (S. 16/17)

Zu den Hörbeispielen
Ernst Busch
, der 1935 im Exil in London die Eisler-Fassung des Moorsoldatenliedes aufgenommen hatte, machte das Lied auch unter den Internationalen Brigaden im Spanischen Bürgerkrieg bekannt.
Wesentlich zur internationalen Popularität des Moorsoldatenliedes hat auch der amerikanische Folk-Sänger Pete Seeger beigetragen, der die Peat Bog Soldiers immer wieder auf Protestmärschen und Kundgebungen der internationalen Friedensbewegung gesungen hat.
Auch die Toten Hosen haben mit ihrer eigenwilligen Interpretation (hier Mitschnitt eines Auftritts in Argentinien) einen weiteren Beitrag zur Popularität des Moorsoldatenliedes geleistet.