
Ausgabe 1918, Teuerungs-Zuschlag 100%
Einer der weltweit bekanntesten Märsche, der Einzug der Gladiatoren, wurde 1899 von einem jungen tschechischen Komponisten geschrieben, der eigentlich keine große Liebe zur Militärmusik hatte. Der Traum des Julius Fučík war es, Musik wie Smetana und Dvorak oder gar eine große Oper zu schreiben. Bei Dvorak hatte er für kurze Zeit Kompositionsunterricht genommen. Fučík musste immer wieder Stellen annehmen, die ihm wenig Zeit zum Komponieren größerer Werke ließen.
Über seine Zeit beim Militärorchester in Budapest ist ein Tagebucheintrag überliefert:
„Das hiesige Leben gefällt mir überhaupt nicht, künstlerisch taugt es gar nichts, alles dreht sich um das Geld und wieder um das Geld und alles ist ein Schwindel. Es sind hier acht Kapellen, und die Konkurrenz ist groß und unehrlich. Man könnte darüber viel erzählen, aber es ist weder die Tinte noch das Papier wert.“
Den ersten großen Erfolg als Komponist hatte Fučík 1899 mit einem Marsch, dem Einzug der Gladiatoren. Dieser Marsch hielt kurz darauf Einzug in die Zirkusmanegen. Um 1900 kam der Wanderzirkus auf, mit dem Zirkus im Zelt wurde man unabhängig von den großen festen Aufführungsorten. Das wiederum führte zu einem enormen Aufschwung des Zirkus-Gewerbes, was nicht ohne Folgen für die Zirkusmusik blieb. Es wurden immer mehr Zirkuskapellen benötigt, aber die Musiker hatten schlechte Arbeitsbedingungen und mussten für einen Hungerlohn spielen.
Übrigens …
… als Julius Fučík 1916 mit nur 44 Jahren starb, hatte er keine Oper geschrieben. Sein zweiter großer Erfolg war auch „nur“ ein Marsch, der Florentiner Marsch.
HB
Grosses Odeon Orchester – Einzug er Gladiatoren
PDF
Verlagswerbung Rückseite Joh. Hoffmann´s Wwe. Musikalienhandlung Prag: Neue beliebte Klaviermusik! Zwölf Schlager