Zeitl. Einordnung
… soll unsrer Liebe Verknotigung sein …
Zu den Hintergründen der Entstehung des Gedichtes vom Ännchen von Tharau durch den Dichter Simon Dach ist bereits viel geschrieben worden. Hinter dem Ännchen-Lied verbirgt sich eine tragische Geschichte. Der in Memel geborene Simon Dach verfasste eine Liebeserklärung an die junge Pfarrerstochter Anna Neander. Es handelte sich um eine Auftragsarbeit zu ihrer Hochzeit mit einem Pfarrer im Jahre 1636. Derartige Lohnarbeiten von Barock-Poeten zu Geburtstagen, Taufen, Hochzeiten oder Beerdigungen waren im 17. Jahrhunderts durchaus üblich, damit verdienten sich einige Dichter – so auch Dach – ein ansehnliches Zubrot.
Das Tragische an der Geschichte im Fall des Ännchen-Gedichts war allerdings für den Dichter, dass er sich selbst heftig in die Braut verliebt hatte. Also packte er all seine Gefühle in den Text und schuf eine Liebeshymne nach allen Regeln der Poetik.
Als Annas Mann nach 10 Ehejahren starb, kam der Dichter wieder nicht zum Zuge. Denn der im Amte als Pfarrer nachfolgende Mann übernahm mit der Stelle auch gleich die Witwe als Ehefrau. Diese so genannte Pfarrwitwenversorgung war derzeit durchaus üblich. Nach dem Tod des zweiten Ehemanns heiratete Anna dann noch einen dritten Pfarrer, den sie auch überlebte. Davon bekam der Dichter Simon Dach allerdings nichts mehr mit, denn er war 1659 in Königsberg an der Schwindsucht gestorben.
Die erste Vertonung des 17 Strophen umfassenden Gedichts Anke von Tharaw stammt aus dem Jahre 1646 von dem Königsberger Heinrich Albert, der als Schüler von Heinrich Schütz vor allem als Liedkomponist in Erscheinung trat. Erst durch die Textübertragung ins Hochdeutsche durch Johann Gottfried Herder am Ende des 18. Jahrhunderts und durch die neue Vertonung des Herder-Textes durch Friedrich Silcher 1827 war der Weg bereitet für die Popularität eines 200 Jahre alten Textes.
Silchers Melodiefassung ist klar gegliedert in A-A-B-Form, die Harmonik ist schlicht, aber mit der Doppeldominante auch nicht ganz simpel.
Die hier vorliegende Fassung für Gesang mit Klavierbegleitung stammt von 1925 aus der Arnoldis Edition Nr. 51 Deutschlands Liederschatz, S. 4/5.
Ännchen von Tharau (vier ausgewählte Strophen)
Ännchen von Tharau ist’s die mir gefällt,
Sie ist mein Leben, mein Gut und mein Geld.
Ännchen von Tharau hat wieder ihr Herz
Auf mich gerichtet, in Lieb und in Schmerz
Ännchen von Tharau, mein Reichtum, mein Gut,
Du meine Seele, mein Fleisch und mein Blut.
Käm’ alles Wetter gleich auf uns zu schlah’n
Wir sind gesinnt, beieinander zu stah’n.
Krankheit, Verfolgung, Betrübnis und Pein
Soll unsrer Liebe Verknotigung sein.
Ännchen von Tharau, mein Reichtum, mein Gut,
Du meine Seele, mein Fleisch und mein Blut.
Recht als ein Palmbaum über sich steigt,
Je mehr ihn Hagel und Regen angreift:
So werd’ die Lieb in uns mächtig und groß,
Durch Kreuz, durch Leiden, durch allerlei Not.
Ännchen von Tharau, mein Reichtum, mein Gut,
Du meine Seele, mein Fleisch und mein Blut.
Würdest du gleich einmal von mir getrennt,
Lebtest da, wo man die Sonne kaum kennt:
Ich will dir folgen, durch Wälder, durch Meer,
Durch Eis, durch Eisen, durch feindliches Heer.
Ännchen von Tharau, mein’ Sonne, mein Schein,
Mein Leben schließ’ ich in deines hinein.
HB
Aufnahme mit dem Liedermacher Hannes Wader (1990).