Eine der bedeutendsten und einflussreichsten deutschsprachigen Liedersammlungen ist das 1858 erschienene Allgemeine Deutsche Commersbuch. Seit der Erstausgabe mit knapp über dreihundert Seiten ist es immer wieder ergänzt und erweitert worden. Die Ausgabe von 1922 hatte fast 800 Seiten. Im Erscheinungsjahr des Reprints (1975) lagen bereits 158 Ausgaben vor. Trotz der ständigen Erweiterungen hat sich an der inhaltlichen Ausrichtung im Laufe von über 150 Jahren wenig geändert. Aktuelle Lieder wurden zumeist gesondert in einem Anhang untergebracht, sodass ein Grundstock mit vaterländischen und studentisch-burschenschaftlichen Liedern bei neuen Auflagen erhalten blieb.
Die Lieder der Erstausgabe sind in vier Gruppen gegliedert:
– Lieder
– Vaterlandslieder
– Studentenlieder
– Volkslieder
In welchem Geist das Gesangbuch wirken soll, wird bereits in der Widmung zur ersten Ausgabe (1858) an Ernst Moritz Arndt klar formuliert:
Dies Buch soll ein Volksbuch und ein deutsches Buch sein, in jedem Hause willkommen. Die vaterländischen Schlachtlieder, bei deren Klange Deutschland wieder deutsch wurde und die bis zu unseren spätesten Enkeln hin nicht verstummen mögen, bilden den Anfang, wie alles Tuns und Dichtens das Gebet ist. Die Mitte enthält den lustig freien Burschensang, das Jauchzen der Jugend, dem der erste Fleiß zur Seite gehen und dem männliche Werktüchtigkeit folgen muß, soll es nicht eitel sein. Den Schluß machen des Volkes eigene und seine Lieblingslieder, ein Griff aus seinem dichterischen Schatze, in dem sein inniges und reiches Gemüt sich widerspiegelt. (S. XI/XII)

Auch das Eröffnungslied stammt aus der Feder des patriotisch-nationalistischen Dichters Arndt. Als Überschrift wurde Anfang und Ende gewählt, darunter steht Eisenlied von E.M. Arndt (nicht zu verwechseln mit Arndts Der Gott der Eisen wachsen ließ), die Melodie und den vierstimmigen Chorsatz dazu schrieb Friedrich Silcher 1857.
1. Könnt´ ich Löwenmähnen schütteln mit dem Zorn und Muth der Jugend,
wie gewaltig wollt´ ich rütteln an des Tages blasser Tugend,
an dem Trug der Feigen, Matten – wer will ihre Namen nennen? –
die der Väter Heldenschatten nur als Leichenschatten kennen.
2. Eisen galt in meinen Tagen. Horch´ ich diesen Stundenweisern,
hör´ ich sagen, fragen, klagen: „Eisern sei ich, übereisern,
fern sei mir das Loos gefallen von den edlen Glanzmetallen,
fern, o fern von jenen allen, woraus feine Klänge schallen“.
3. Weg vom Silber denn, vom Golde! Hin, wohin die Weiser weisen!
Trage, wie dein Schmied es wollte, trage muthig durch dein Eisen!
Preis ihm, der es hat geschmiedet! Nimmer magst du würdig preisen,
nimmer, was die Welt befriedet, was die Welt erhält, das Eisen.
4. O du Segensglanz des Pfluges, Gold der Aehren, Gold der Reben!
O du Blitz des Degenzuges, dem die Völkerzwinger beben!
Lebenshalter, Ehrenhalter, bestes Ding von besten Dingen,
o ich könnte tausend Psalter voll mit deinen Ehren klingen!
5. Darum Preis dem Rauhen, Harten, Preis dem Menschenschirmer Eisen!
Mag vom Blanken, Feinen, Zarten sich ein Andrer seiner preisen;
Kann ich nur ein Fünkchen zählen in mir ächter Männergluthen,
gönn´ ich gern den weichen Seelen volle Weibersehnsuchtsfluthen.
Eine martialische Ausdrucksweise und großes Pathos kamen Mitte des 19. Jahrhunderts nicht nur bei den Burschenschaften, sondern auch in patriotischen Kreisen sehr gut an. Sicher können die nationalistischen Töne auf dem Hintergrund der Befreiungskriege gegen Napoleon gesehen werden. Inwiefern hier aber auch der Ausgangspunkt eines unguten Nationalismus zu suchen ist, wird in der Geschichtswissenschaft durchaus kontrovers diskutiert.
Der Umschlag des Reprints greift das Motiv mit dem Boot auf, die gesamten Schmuckelemente des Titels von Caspar Scheuren sind allerdings weggelassen.

PDF
– Titelei
– Vorwort zur Taschenbuch-Reprintausgabe (Werner Heilmann)
– Widmung An Ernst Moritz Arndt
– Ausgewählte Seiten