An de Eck steiht´n Jung mit´n Tüdelband, 1911

An de Eck steiht ´n Jung mit´n Tüddelband, in de anner Hand ´n Bodderbrood mit Kees
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Hamburger Konservatorium Singt alle mit
Herkunft Region

Zeitl. Einordnung

1900 -1914
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Infos/Beschreibung

Einige bezeichnen das Lied vom Jungen mit dem Tüdelband als inoffizielle Hymne Hamburgs, andere als das berühmteste Hamburger Volkslied. Egal, auch wir Bremer Kinder haben das Lied endlos auf Autofahrten zur Nordsee oder zum Grundbergsee gesungen. Allerdings mit der Textvariante: … ein jeder aber kann das nicht, denn er muss aus Bremen sein.

Ob in Hamburg, Bremen oder anderswo, das Lied wurde über Jahrzehnte gerne gesungen. Eine der eifrigsten Interpretinnen des Tüdelband-Liedes war die Volksschauspielerin Heidi Kabel. Bei den männlichen Kollegen fällt natürlich zuerst Jan Fedder ein, der dieses Lied auch in dem international erfolgreichen Film Das Boot gesungen hat. Bei der Trauerfeier für Jan Fedder im Michel wurde das Lied sogar auf der Orgel gespielt. Fedder konnte es sich leisten, einerseits den Vorzeigepolizisten Dirk Matthies zu verkörpern und andererseits das Klauen zu besingen, ohne gleich eine Empörungswelle auszulösen. Die Aufforderung zum Äppel-Klau´n wird immer noch von zahlreichen Hamburger Chören propagiert, bei denen dieser Gassenhauer zum festen Repertoire gehört.

An de Eck steiht ´n Jung mit´n Tüddelband
in de anner Hand ´n Bodderbrood mit Kees,
wenn he blots nich mit de Been in´n Tüddel kümmt
un dor liggt he ok all lang op de Nees
un he rasselt mit´n Dassel op´n Kantsteen
un he bitt sick ganz geheurig op de Tung,
as he opsteiht, seggt he: hett nich weeh doon,
ischa ´n Klacks för ´n Hamborger Jung

Refrain
Jo, jo, jo, Klaun, klaun, Äppel wüllt wi klaun,
ruck zuck övern Zaun,
Ein jeder aber kann dat nich, denn he mutt ut Hamborg sien.

An de Eck steiht ´n Deern mit´n Eierkorf
in de anner Hand ´n groote Buddel Rum
Wenn se blots nich mit de Eier op dat Plaaster sleit
un dor seggt dat ok al lang „bum bum“.
Un se smitt de Eiers un den Rum tosomen
un se seggt „so’n Eiergrog den hebb ik geern“
as se opsteiht, seggt se: „hett nich weeh doon,
ischa´n Klacks för´n Hamborger Deern

Refrain
Jo, jo, jo, Klaun, klaun, Äppel wüllt wi klaun,
ruck zuck övern Zaun,
Ein jeder aber kann dat nich, denn he mutt ut Hamborg sien.

Die Urheberschaft des Liedes ist nicht ganz eindeutig geklärt. Immer wieder werden die Gebrüder Wolf [1] genannt, wobei die Fassung aus dem Jahre 1911 eine vollkommen andere Melodie hatte und nur eine von fünf Strophen in der heute Fassung geblieben ist. Erst zu Beginn der 1920er-Jahre schufen der Volks- und Coupletsänger Carl Friedrich Wittmaack, besser bekannt als Charly Wittong, und der Schlagertexter Walter Rothenburg die Fassung mit den zwei Strophen vom Jung mit´m Tüdelband und der Deern mit´m Eierkorf. Danach verbreitete sich das Lied schnell im Land und wurde zum beliebten Gassenhauer.

Eindeutig nachgewiesen ist die Herkunft der Melodie des Refrains (Klaun, klaun, Äppel wolln wir klaun…). Sie stammt aus einem Operetten-Couplet von Paul Lincke. In dem Rheinländer Die Gigerlkönigin findet man am Ende folgende 8-taktige Wendung:

Die Gigerlkönigin Ausschnitt Ohrwurm
Ausschnitt aus „Die Gigerlkönigin“ von Paul Lincke
An de Eck steiht n Jung Ausschnitt
Tüdellband-Refrain

Das hat Ohrwurm-Qualität und ist mit Sicherheit ein Teil der Erfolgsgeschichte des Tüdelband-Liedes.

Zu den Gebrüdern Wolf siehe auch Schlager Auf der Reeperbahn nachts um halb eins.

HB
– Gebrüder Wolf mit Een echt Hamborger Jung, einer heute nicht mehr bekannten Melodiefassung
– Orgelvortrag bei Trauerfeier für Jan Fedder im Januar 2020
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[1] Siehe dazu auch Spiegel-Artikel (39/2003) über den Film zu den Gebrüdern Wolf von Jens Huckeriede.