Borkum-Lied, 1897 [1901]

Wir grüßen heut´ im frohen Lied
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Quelle
eigene Sammlung
Herkunft Region

Zeitl. Einordnung

1900 -1914
Rubriken
Personen

Infos/Beschreibung

Dieses antisemitische Lied entstand 1897 und wurde kurz darauf auch auf Ansichtskarten verbreitet. Diese Karte ist 1901 gelaufen.

Im Tourismus – und insbesondere im Bäder-Tourismus – gab starke antisemitische Strömungen, die bis ins 19. Jahrhundert zurückreichen. Schon früh wurde in der Branche damit geworben, dass Juden in bestimmten Badeorten unerwünscht waren.

Bei den Aktionen gegen jüdische Badegäste tat sich die ostfriesische Insel Borkum besonders unrühmlich hervor. Das Borkum-Lied wurde regelmäßig bei den Kurkonzerten gespielt und von den Gästen laut und begeistert mitgesungen. Diese verschickten ihre Urlaubsgrüße über Postkarten mit dem Lied in alle Welt. Den sehr klein gedruckten Text haben sich sicher nicht viele durchgelesen, aber die Illustrationen mit ihren Klischees vermittelten eine eindeutige Botschaft: Juden sind auf Borkum unerwünscht.

Borkum Lied AK a Ausschnitt Illu
Text unter der Illustration: „Bedaure! Doch wer dir naht mit platten Füßen, der muß hinaus! Hinaus!“

Der vollständige Text des Borkum-Liedes umfasst fünf Strophen, auf dieser Karte sind nur drei abgedruckt:

Borkum Lied AK a Ausschnitt Text
Text des Borkum-Lieds auf der Postkarte.

Noch ein wenig heftiger ist der Text der Strophen, die hier nicht abgedruckt sind (siehe andere Ansichtskarte). Da heißt es:

Borkum, bewahre deinen Strand,
nichts Koschres laß herein!
Rebeckchen Meier und Herr Lewi
Kehrt schnell nach Norderney nach Haus
Allhier auf Borkums grüner Insel
Blüht Euch kein Glück, Ihr müßt hinaus.
(…)
Borkum, der Nordsee schönste Zier,
Bleib Du von Juden rein.

Auf vorliegender Karte findet sich der Hinweis, dass der Text auf die Melodie des Kaisermarsches Hipp, hipp, hurrah! gesungen wurde. Der Komponist dieses Marsches war Georg Kunoth (1863-1927). Er brachte es als Journalist in Bremen bis zum Chefredakteur der Bremer Nachrichten. Als Politiker engagierte er sich in den 1920er-Jahren in der DDP für die Verteidigung der Republik.

Vom Bund Deutscher Pioniere e.V. wird heute zur Melodie des Kaisermarsches das Lied der Pioniere mit folgendem Text verbreitet:

Den Ehrenkragen der Armee, den trägt der Pionier,
wenn ich den schwarzen Kragen seh, schlägt hoch das Herz in mir,
das Schwarz der Spiegel kleidet ihn so schlicht und doch so schön,
auch diese Farbe können wir in Deutschlands Fahne sehn.
Alle Mann frei weg – Wir sind geschmückt mit schwarzen Kragen,
Hipp – Hipp Hurra, Hipp – Hipp, Hurra;
Wir Pioniere nie verzagen, Hipp – Hipp Hurra, Hipp – Hipp, Hurra!

HB
Kaisermarsches Hipp, hipp, hurrah!