Die Internationale, 1871 / 1888

Wacht auf, Verdammte dieser Erde
Musik von
bearbeitet von
Quelle
diverse Liederbücher
Herkunft Region

Zeitl. Einordnung

1800 – 1900
Rubriken
Personen

Infos/Beschreibung

Wenn eine Hymne nicht nur für eine Nation gelten soll, sondern länderübergreifend für viele Nationen der Erde, dann muss sie schon besondere Qualitäten aufweisen.

Europa hat sich mit Beethovens Freude schöner Götterfunken eine exzellente Musik gesichert mit bester feierlicher Hymnenqualität:
melodisch in Tonschritten und rhythmisch in Halben und Vierteln fast gleichförmig (mit einer Ausnahme des synkopierten Sextsprungs), gut zum Mitsingen und insgesamt eine überlegene Würde ausstrahlend.

Die Internationale ist musikalisch ebenfalls ein genialer Wurf mit bester kämpferischer Hymnenqualität:
klare Gliederung in jeweils 16 Takte Strophe und Refrain, aufmunternd durch zahlreiche Tonsprünge und punktierte Noten in der Melodie, zum Marschieren animierend. Ganz im Sinne der Botschaft, für das Menschenrecht zu kämpfen, vermittelt die Hymne eine Aufbruchstimmung, die in dem Refrain immer wieder auf den Punkt gebracht wird:

Völker, hört die Signale!
Auf zum letzten Gefecht!
Die Internationale
erkämpft das Menschenrecht.

Es geht also nicht mehr um einzelne Menschenrechte, sondern um ein globales Ganzes – das Menschenrecht.

Der ursprüngliche französische Text von Eugène Pottier hatte sechs Strophen. Erstaunlich, dass ein deutscher Text erst fast vierzig Jahre später von einem jungen Mann verfasst wurde. 1910 reduzierte der Wuppertaler Gewerkschafter und Bierbrauer Emil Luckhardt den Text auf 3 Strophen. [1]

Es gibt nur wenige DDR-Liederbuch-Ausgaben, in denen die Internationale nicht abgedruckt wurde, meist war sie sogar an exponierte Stelle unter den ersten drei Liedern zu finden. Im Westen erlebte die Hymne der Arbeiterbewegung durch die Studentenbewegung eine Wiederentdeckung. Selbst bei Liedermachern wie Hannes Wader durfte die Internationale nicht fehlen. Sie erklang auf Demonstrationen gegen den Vietnam-Krieg und später bei Kundgebungen der Anti-Atomkraft-, Friedens- und Bürgerbewegungen. Und im Anschluss daran ertönte der Ruf: Hoch – die – internationale – Solidarität!

Die SPD hat sich peu à peu vom Singen der Internationale auf Parteitagen verabschiedet. 2019 schrieb Pascal Beucker in der TAZ:
Da stimmt SPD die „Internationale“ an. Das heißt aber nicht, dass gleich das Abendland untergeht, sondern nur, dass grad viele Jusos im Saal waren. (…)
Wer hätte das gedacht: Die trutschige deutsche Sozialdemokratie ist wieder in der Lage, Erregungsstürme auszulösen! Jetzt haben es die Delegierten auf dem SPD-Bundesparteitag doch tatsächlich gewagt, die „Internationale“ zu singen. Was für ein Skandal! 

Bei Parteitagen der Partei Die Linke ist die Internationale immer noch Teil des Abschlussrituals.
Siehe auch Wahlwerbung Die Linke und kommerzielle Werbung mit der Internationalen.

Die Geschichte der Internationale hat Claire Doutriaux in einem kleinen Film zusammengefasst, der auf Arte ausgestrahlt wurde.

Siehe auch Chorfassung von Hermann Scherchen.

HB/Video
– Kurzfilm zur Geschichte der Internationale von Claire Doutriaux.
– Hannes Wader interpretiert die Internationale.
– Der LINKE internationale Chor: Die Internationale.
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[1]  Luckhardt gehörte zu den ersten Todesopfern im Ersten Weltkrieg, gefallen 1914 mit 34 Jahren.