Zeitl. Einordnung


Die Lindenwirtin, Aennchen Schumacher, die in diesem Lied besungen wird, war eine über die Grenzen von Godesberg hinaus bekannte Persönlichkeit. Sie war eifrige Sammlerin von Studentenliedern, die sie von ihren Gästen hörte und aufschrieb. Es waren vor allem Studenten, die bei ihr einkehrten. Dass beim Singen auch fröhlich und reichlich gezecht wurde, muss nicht extra betont werden. Am Ende war kein Tropfen mehr im Becher und keine Münze mehr im Geldbeutel. Wie die Geschichte dann weitergegangen sein könnte, deutet Rudolf Baumbach in seinem Lied an:

Keinen Tropfen im Becher mehr
und der Beutel schlaff und leer,
lechzend Herz und Zunge.
Angetan hat mir’s dein Wein,
deiner Äugelein heller Schein,
Lindenwirtin, du junge,
Lindenwirtin, du junge!
„Angekreidet wird hier nicht,
weil’s an Kreide uns gebricht“,
lacht die Wirtin heiter.
„Hast du keinen Heller mehr,
gib zum Pfand dein Ränzel her,
aber trinke weiter,
aber trinke weiter!“
Tauscht der Bursch sein Ränzel ein
gegen einen Krug voll Wein,
tät zum Gehn sich wenden.
Spricht die Wirtin: „Junges Blut,
hast ja Mantel, Stab und Hut;
trink und laß dich pfänden,
trink und laß dich pfänden!“

Da vertrank der Wanderknab
Mantel, Hut und Wanderstab,
Sprach betrübt: „Ich scheide.
Fahre wohl, du kühler Trank,
Lindenwirtin jung und schlank,
liebliche Augenweide,
liebliche Augenweide!“
Spricht zu ihm das schöne Weib:
„Hast ja noch ein Herz im Leib,
laß mir’s, trauter Wandrer!“
Was geschah, ich tu’s euch kund:
auf der Wirtin rotem Mund
brannte heiß ein andrer,
brannte heiß ein andrer.
Der dies neue Lied erdacht,
sang’s in einer Sommernacht
lustig in die Winde.
Vor ihm stund ein volles Glas,
neben ihm Frau Wirtin saß
unter der blühenden Linde,
unter der blühenden Linde.
Das Lied unterscheidet sich von vielen anderen studentischen Trinkliedern dadurch, dass hier die Frau eindeutig die Fäden in der Hand hält. Angeschrieben wird bei der Lindenwirtin nicht, wer bei ihr trinken will, muss es nach ihren Regeln tun.
Die schlichte, eingängige Melodie von Franz Abt hat viel dazu beigetragen, dass sich das Lied nicht nur in Studentenkreisen großer Beliebtheit erfreute, sondern sich zu einer Art Volkslied entwickelte. Abt war im 19. Jahrhundert einer der umtriebigen Musiker. Vor allem seine Lieder und Chöre erreichten große Popularität. Er schrieb allein über 600 Kompositionen für Männerchor, war Organisator und Leiter von Musikfestivals und soll angeblich Ehrenmitglied in über 200 (!) Gesangvereinen gewesen sein.
Siehe auch Chorsatz.
Weiteres Lied auf die Lindenwirtin: Nach Godesberg!
HB
Mehr geht nicht: Heino und Gunther Emmerlich zusammen!