Es ist ein Schnitter, heißt der Tod (Louise Reichardt), 1819

Es ist eine Schnitter, heißt der Tod
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Schellenberg, Ernst Ludwig, Das deutsche Volkslied. Band 1
Herkunft Region

Zeitl. Einordnung

1800 – 1900
Rubriken
Personen

Infos/Beschreibung

In dem von Ernst Ludwig Schellenberg herausgegebenen Bänden Das deutsche Volkslied. Ein Hausschatz von über 1000 der besten deutschen Volkslieder (Verlag Hugo Bermühler, Berlin-Lichterfelde 1915) gibt es in Band 1 drei Lied-Fassungen auf den Text Es ist ein Schnitter heißt der Tod:

Louise Reichardt (1779-1826), die Komponistin dieses Klavierliedes, trat schon früh in die Fußstapfen ihrer beiden Eltern. Die Mutter Juliane Reichardt war Sängerin und Komponistin, der Vater Johann Friedrich Reichardt komponierte ebenfalls. Louise Reichardt war im Kindesalter mit dem Tod konfrontiert. Als sie drei Jahre alt war, starb ihr Bruder. Ein Jahr später verlor sie die Mutter, die die Geburt einer weiteren Tochter nicht überlebte. Auch im späteren Leben musste Louise Reichardt mehrere Todesfälle in ihrem Umfeld verkraften. 1801 ertrank ihr Stiefbruder (ihr Vater hatte noch im Todesjahr ihrer Mutter neu geheiratet). Ihr Verlobter kam beim Bergsteigen ums Leben. Auch der zweite Lebensgefährte starb noch vor der Hochzeit bei einer Italienreise.

Seit ihrer frühen Kindheit hatte sich Louise Reichardt der Musik zugewandt. Ihr Vater, der bis 1794 königlich-preußischer Hofkapellmeister bei Friedrich II, war, versuchte ein öffentliches Auftreten der Tochter immer wieder zu unterbinden. Wenige Jahre vor dem Tod des Vaters ging sie 1809 gegen seinen Willen nach Hamburg, um dort sehr erfolgreich als Gesangslehrerin, Chorleiterin und Komponistin zu wirken.

Die Reichardt-Komposition Der Schnitter Tod stammt aus dem Jahre 1819. Der Text weicht geringfügig von der Volkslied-Fassung ab:

Es ist ein Schnitter, heißt der Tod,
hat Gewalt vom großen Gott.
Heut wetzt er das Messer,Sei
es schneidt schon viel besser.
Bald wird er drein schneiden,
wir müssen´s wohl leiden.
Hüte dich schöns Blümelein!

Was heut noch grün und frisch dasteht,
wird morgen schon hinweggemäht:
Die edle Narzisse,
die himmlische Schlüssel,
die schön‘ Hyazinthen,
die türkischen Winden.
Hüte dich schön´s Blümelein!

Viel hunderttausend ungezählt,
Was nur unter die Sichel fällt:
Rot´ Rosen, weiß Lilien,
beid´ wird er austilgen
und ihr Kaiser-Kronen,
man wird euch nicht schonen!
Hüte dich schön´s Blümelein!

Das himmelfarb´ne Ehrenpreis,
die Tulipanen gelb und weiß,
die silbernen Glocken,
die goldenen F locken,
senkt alles zu Erden.
Was wird nur draus werden?
Hüte dich schön´s Blümelein!

Ihr hübsch Lavendel und Rosmarein,
ihr vielfarbigen Röselein,
ihr stolzen Schwertliljen,
ihr krausen Basilien,
ihr zartne Violen,
man wird euch bald holen.
Hüte dich schön´s Blümelein!

Trutz, Tod! Komm her, ich fürcht dich nit!
Trutz, eil daher in einen Schnitt.
Wenn Sichel mich letzet,
so werd´ ich versetzet
in den himmlischen Garten:
darauf will ich warten.
Freue dich, schön´s Blümelein!