Heute scheid´ ich, heute wand´r ich, 1822

Heute scheid' ich, morgen wand'r ich
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Quelle
Deutschlands Liederschatz
Herkunft Region

Zeitl. Einordnung

1800 – 1900
Aspekte
Personen

Infos/Beschreibung

Dieses Lied kennt man heute nicht mehr, allerdings kommt einem die Melodie bekannt vor: An der Saale hellem Strande.

Heute scheid´ ich, heute wand´r ich ist auch unter dem Titel Soldatenabschied in Liedsammlungen zu finden. Bei Erk/Böhme im dritten Band lautet der Titel Des Landwehrmanns Abschied (III, S. 245). Als Autor wird der Maler Friedrich Müller angegeben, die erste Veröffentlichung ist auf 1776 datiert. Die Melodie wurde 1822 von Franz Ernst Fesca komponiert.

Immer wieder wurde in Liedern die innere Zerrissenheit und die Ausweglosigkeit der einfachen Soldaten thematisiert. Sie hatten keine Wahl, sie mussten dem Ruf des Landesherrn zum Kriegsdienst folgen. Es blieb die quälende Ungewissheit, ob man Frau und Kinder jemals wiedersehen werde. Der Text von Friedrich Müller drückt wenig Hoffnung aus. Da ist nichts zu spüren von Ruhm und Heldentod.

Heute scheid ich Erk B III 245
Erk/Böhme, Band III, S. 245

1. Heute scheid‘ ich, morgen wand’r ich,
keine Seele weint um mich!
Sind´s nicht diese, sind’s doch andre,
die da trauern, wenn ich wandere,
holder Schatz, ich denk an dich!

2. Auf den Bachstrom hängen Weiden,
in den Tälern hängt der Schnee –
trautes Kind, daß ich muß scheiden,
muß nun unsre Heimat meiden,
tief im Herzen tut mir’s weh

3. Hunderttausend Kugeln pfeifen
über meinem Haupte hin.
Wo ich fall‘, scharrt man mich nieder,
ohne Klang und ohne Lieder,
niemand fraget, wer ich bin.

4. Du allein wirst um mich weinen,
siehst du meinen Todesschein;
trautes Kind, sollt‘ er erscheinen,
tu im Stillen um mich weinen
und gedenk auch immer mein.

5. Heb‘ zum Himmel unsern Kleinen,
schluchz‘ nun: Tot der Vater dein!
Lehr ihn beten, gib ihm Segen,
reich ihm seines Vaters Degen,
mag die Welt sein Vater sein.

6. Hörst? die Trommel ruft zu scheiden,
drück ich dir die weiße Hand,
still die Tränen – laß mich scheiden,
muß nun um die Erde streiten,
streiten für das Vaterland.

7. Sollt ich unterm freien Himmel
schlafen in der Feldschlacht ein,
soll aus meinem Grabe blühen,
soll aus meinem Grabe glühen
Blümchen süß: Vergißnichtmein.

Das klang dann 1870 schon anders in dem Lied Abschied des Landwehrmannes, das während des Frankreichfeldzuges entstanden ist. Am Anfang wird der schmerzliche Abschied genauso geschildert wie in dem Text von Müller. Doch dann wird der Gegner klar benannt:

Zu kämpfen für die Freiheit, für die Ehre,
zu kämpfen für das teure Vaterland.
Frankreich zwang uns, so müssen wir zur Wehre;
Drum frisch drauf los, die Waffen in die Hand!

Und in der letzten Strophe heißt es:

Hört ihrs? die Trommel ruft, nun muss ich scheiden,
der Zeiger hat vollendet seinen Lauf.
Bis naus zum Tore mögt ihr mich begleiten,
doch aber höret nun mit Weinen auf!
Wenn Deutschlands Fahnen in Paris erst wehn
Kehr ich zurück, lebt wohl auf Wiedersehn!