Zeitl. Einordnung
Nur wenige Städte können von sich behaupten, einen echten eigenen Schlager zu haben, der auch dieses Prädikat verdient. Einer der bekanntesten Städte-Schlager ist der Stadt Heidelberg zugefallen, ganz ohne eigenes Zutun. Geschrieben haben das weltbekannte Lied vom verlorenen Herz am Neckarstrand gleich zwei Dichter, Ernst Neubach und Friedrich Löhner-Beda. Dass das Lied praktisch über Nacht populär geworden ist, lag aber wohl in erster Linie an der Musik von Fred Raymond. Wenn man den Text außer Acht lässt, könnte man meinen, dass es sich um einen strammen Marsch handelt, was besonders deutlich wird, wenn der Refrain einsetzt:
Links-zwo-drei-vier, links-zwo drei Ich
hab′ mein Herz in Heidelberg verloren, in einer
lauen Sommernacht. Zwo-drei. Ich war verliebt
bis über beide Ohren. Und wie ein Röslein hat ihr Mund gelacht.
Der Schlager passte Mitte der 20er-Jahre zur romantisch-sentimentalen Heidelberg-Verklärung, die bereits im 19. Jahrhundert von Malern, Dichtern und Musikern gepflegt wurde.
Kurz nach dem Erscheinen des Liedes gab es schon die ersten Ansichtskarten, die den Text in alle Welt hinaustrugen. Vorliegendes Beispiel ist eine Karte, die 23.2.1928 gelaufen ist. Das Bild über dem Text enthält die drei wichtigsten Heidelberg-Zutaten: Liebespaar, Schloss und Neckar.
1. Es war an einem Abend, als ich kaum 20 Jahr′.
Da küsst‘ ich rote Lippen und goldenes, blondes Haar.
Die Nacht war blau und selig, der Neckar silberklar,
Da wusste ich, da wusste ich, woran, woran ich war:
Refrain
Ich hab′ mein Herz in Heidelberg verloren,
In einer lauen Sommernacht.
Ich war verliebt bis über beide Ohren
Und wie ein Röslein hat ihr Mund gelacht.
Und als wir Abschied nahmen vor den Toren
Beim letzten Kuss, da hab ich’s klar erkannt:
Dass ich mein Herz in Heidelberg verloren.
Mein Herz, es schlägt am Neckarstrand.

2. Und wieder blüht wie damals am Neckarstrand der Wein,
Die Jahre sind vergangen, und ich bin ganz allein.
Und fragt ihr den Gesellen, warum er keine nahm,
Dann sag ich euch, dann sag ich euch, Ihr Freunde, wie es kam.
3. Was ist aus dir geworden, seitdem ich dich verließ,
Alt-Heidelberg du Feine, Du deutsches Paradies?
Ich bin von dir gezogen, ließ Leichtsinn, Wein und Glück,
Und sehne mich, und sehne mich mein Leben lang zurück.
Siehe auch Notentitel-Sammlung.
Siehe auch Anzeige der Bahn.
HB
– Aufnahme aus dem Jahre 1975 mit Karel Gott, Ernst Hilbich, Donald Grobe, Peter Fröhlich, Dieter Kursawe und dem RIAS-Tanzorchester